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Gärtners kritisches Ostersonntagsfrühstück: Der Tag der lebenden Toten

admin

Wenn, was Allah verhüten möge, die Türken und Türkinnen ihren psychotischen Oberspinner zum Größten Führer aller türkischen Zeiten gewählt haben werden sollten, dann können sie hierzulande mit den Augen rollen: Wie kann man denn, wie kann man nur in einer freien Wahl die Freiheit abwählen? Aber erstens haben das Oma und Opa bekanntlich auch getan, und zweitens reicht ein an einem kühlen Karfreitag unternommener Familienbesuch in einen deutschen Wildpark, um zu der Erkenntnis zu gelangen, daß Freiheit im Zweifel dazu genutzt wird, sie an der Garderobe abzugeben.

Das ist wörtlich zu verstehen; und ohne hier meinen epochalen Aufsatz aus der Mai-TITANIC 2015 wiederholen zu wollen, der die entschlossene Gore- oder Sonstwie-Tex-Uniformierung der Mittelschicht in den Blick nahm, war’s doch abermals erschütternd zu sehen, wie völlig schnurzegal es so gut wie allen ist, in welcher Kluft sie am hellichten (Feier-)Tag die Gegend bevölkern. Das ist mit dem „Verlust der Öffentlichkeit“ (Habermas, Sennett) gemeint, daß der Gedanke: Ich gehe vor die Tür, ich werde gesehen, ich bin ebenda Teil einer Gemeinsamkeit, und es könnte sein, ich muß oder möchte mich darauf einstellen, mich zeigen, mich (hätte man früher gesagt) fein machen – daß der nicht mehr gedacht wird. Es gibt ihn, diesseits von Beerdigungen oder Hochzeiten, schlicht nicht mehr.  

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