Veronika, Kuh vadis?
Ein Kommentar von Leo Riegel
Eine Meldung aus dem Tierreich sorgte vergangene Woche für Entzücken: Eine Kuh aus Österreich ist in der Lage, Werkzeuge zu nutzen. Genauer gesagt schnappt sie Stöcker und Besen mit dem Maul, um sich damit zu kratzen. So weit, so niedlich. Veronika, wie das talentierte Euterwesen heißt, hat es mit seinen Fertigkeiten auch außerhalb Österreichs, wo es bereits als größtes Talent seit Sebastian Kurz gilt, zu Ruhm gebracht:
»Cow astonishes scientists with rare use of tools« – BBC
»Koe Veronika gebruikt bezemsteel als gereedschap« – de Volkskrant
Doch während die Welt dieses sehr begabte und, nebenbei bemerkt, auch sonst sehr prächtige Exemplar bejubelt, scheint niemand den größeren Zusammenhang zu sehen: Soll, ja kann es Zufall sein, dass ein Tier ausgerechnet jetzt einen solch atemberaubenden evolutionären Sprung hinlegt, in einer Zeit, in der Despoten wie Trump und Putin die friedliche Weltordnung anzünden? Oder greift Mutter Natur in Anbetracht von Klimakatastrophe und drohenden Atomkriegen höchstpersönlich ins Weltengefüge ein?
Prometheus stahl einst das Feuer von den Göttern und gab es den Menschen. Wird nun das Tierreich ermächtigt, um dem schöpferischen Irrweg Mensch ein Ende zu setzen? Nur eine Frage der Zeit, bis die erste Kuh mit ihrer seltsam rauen Zunge keinen Besen aufliest, sondern nach Machete und Axt greift bzw. schleckt, um den Erdball vom Virus Homo sapiens zu befreien. Ziege, Elch und Sternmull werden es ihr gleichtun.
Als ich heute Morgen über die Straße ging, konnte ich beobachten, wie eine Krähe eine Walnuss durch die Luft schleuderte und mich nur knapp verfehlte. Ein versuchter Totschlag, auch wenn die Fähigkeiten in dem Fall nicht ausreichten. Noch nicht. Wer soll es den Tieren verübeln? Sollen sie tatenlos zuschauen, wie wir ihre Gletscher zerstören, ihre Bäume fällen, ihnen die Kratzwerkzeuge entwenden, um damit unsere Gehwege zu fegen?
Statt Veronikas Coup als harmloses Kunststückchen zu feiern, sollten wir uns den Besen in ihrem Maul als Bajonett vorstellen. Vielleicht wird uns das eine letzte Warnung sein, um den Weltengang endlich in vernünftige Bahnen zu lenken.