Gärtners kritisches Neujahrsfrühstück: Aus dem Wörterbuch der Unmenschen
Wie haben sie einen belächelt damals, als man 2006 des Vaterlandes fröhliche Wiedergeburt im schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer für weniger märchenhaft denn menetekelig hielt und den „fröhlichen Patriotismus“ nicht für harmlos, sondern etwas, das dereinst genauso ausgenutzt werden würde wie Vaterländisches immer.
„Unser Herz schlägt für Deutschland“, meldet ein Jahrzehnt später nicht die Deutsche Liga für Volk und Heimat, sondern der harmlose, in Karten, Kalender und Nippes machende Schöning-Verlag auf Postkartentütchen aus dem ebenso unverdächtigen Quartiersbuchladen, und man muß sich schon auf die Homepage bemühen, um zu erfahren, daß die Heimatliebe eine zur Ansichtskarte ist („Von Sylt bis Garmisch-Partenkirchen, von Aachen bis Zwiesel bedienen wir seit Gründung des Verlags 1919 eine Vielzahl touristischer Orte. Noch heute werden in dem Lübecker Mittelstandsbetrieb Ansichtskarten konzipiert, entworfen und gedruckt“); und meine Reserve, was die „unaufhaltsame Faschisierung“ (Georg Seeßlen) der Deutschland AG angeht, halt bloß idiosynkratisch. Oder etwa nicht?