Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Vom Murmeltier
Nichts ist so von gestern wie die Zeitung von heute; was aber nichts macht, wenn sowieso immer dasselbe drinsteht: „Die Aufstiegschancen von Menschen, die von Armut bedroht sind oder als arm gelten, sind in Deutschland weiter zurückgegangen. Gleichzeitig ist für Wohlhabende das Risiko gesunken, finanziell abzusteigen. Das geht aus dem neuen Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor. ,Arm bleibt arm, und reicht bleibt reich – das gilt aktuell noch deutlich stärker als vor 20 Jahren’, sagte die Autorin der Untersuchung, Dorothee Spannagel … An diesem Trend habe sich auch zuletzt trotz Rekordbeschäftigung und höherer Löhne nichts geändert, vermutet Spannagel. Der internationale Vergleich zeige, daß in fast keinem anderen Land die Chancen so stark von der Herkunft beziehungsweise vom Elternhaus abhingen wie in Deutschland. So hätten Kinder von Akademikern die besten Chancen, wieder Akademiker zu werden. Die Schule funktioniere dabei wie eine ,große Sortiermaschine’.“ Usw.
Wie oft haben wir das schon gelesen? Wie oft habe ich derlei schon zitiert? Wie oft werden wir das noch lesen müssen? Wo es doch dauernd in der Zeitung steht? Sollte es sich da nicht ändern, längst geändert haben? Oder ist gerade der Umstand, daß es so wunderbar kritisch und freiheitlich in der Zeitung steht, die Voraussetzung dafür, daß es so bleibt und bleiben kann?