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März 2025

»Die Quelle des französischen Witzes ist die Höflichkeit. Die braucht nämlich bloß an einem Punkt abzureißen, damit er entsteht. Ich sah einmal in einem Stück, wie sich zwei Leute an der Türe solange wegen des Vortritts bekomplimentierten, bis der eine den andern hinauswarf. Das war pantomimisch dargestellt: ein französisches Aperçu.«
Anton Kuh

Komische Preise

An der traditionell im Januar stattfindenden, den Oscars vorgeschalteten Verleihung der Golden Globes klebt zwar auch nach der Auflösung des skandalumwitterten Dachverbands HFPA der Vorwurf von Vetternwirtschaft und mangelnder Diversität, aber für die Zeremonie selbst habe ich bis heute viel übrig. Nicht nur, weil die Golden-Globe-Moderatoren derber gegen die versammelte Prominenz austeilen als ihre Kollegen bei den mehr auf Familienfreundlichkeit getrimmten Academy Awards, sondern auch, weil die Globes traditionell die Komödie würdigen, die bei den Oscars nur selten für einen Hauptpreis in Frage kommt.

Dass es dabei für Komödien eigene, vom Drama abgesetzte Kategorien gibt (für den besten Film bzw. die besten darstellerischen Leistungen), ist seit jeher umstritten, weist dieses Konstrukt doch dem komischen Fach einen Platz am Katzentisch zu und würdigt zudem neben »reiner« Comedy wie »The Hangover« (2009) auch Filme wie »Der Marsianer« (2016), dessen Grundton mit »hoffnungsfroh« treffender umschrieben wäre als mit »amüsant«. Da die Komödienkategorie der Golden Globes irritierenderweise auch Musicals umfasst, tummeln sich in der Siegerliste dann erst recht wieder ernste Filme wie »Les Misérables« und »West Side Story«. Bewahrenswert finde ich die Kategorie trotzdem, weil sie in letzter Zeit viel Wertschätzung für subversive und groteske Stoffe mit frischer Ästhetik verrät. So zählten zu den jüngst prämierten Filmen u. a. Martin McDonaghs schwarzhumorige Eiland-Eskalation »The Banshees of Inisherin« (TITANIC 2/2023), Giorgos Lanthimos’ feministische Fabel »Poor Things« (TITANIC 3/2024), und in diesem Jahr mit dem satirischen Body-Horror »The Substance« sowie der Gangster-Rock-Oper »Emilia Pérez« wiederum zwei ebenso schroffe wie maßlose, genreübergreifende Werke. Zum Totlachen sind beide nicht, sehenswert sehr wohl.

Für die Gags sorgte bei den diesjährigen Globes immerhin die fähige Roast-Komikerin Nikki Glaser bei ihrem Einstand als Moderatorin, egal, ob sie den für »The Pianist« (2002) und »The Brutalist« (2024) prämierten Darsteller Adrien Brody als »zweifachen Holocaust-Überlebenden« begrüßte oder hinter den TV-Shows »The Bear«, »The Penguin« und »Baby Reindeer« den Inhalt von Robert F. Kennedy juniors Kühlschrank vermutete.