September 2025
»Ich bin nicht versucht, einen Song über George W. Bush zu schreiben. Ich könnte mir nicht vorstellen, welche Art Song das sein sollte. Das Problem ist: Ich möchte Bush und seine Marionetten nicht verlachen, ich möchte sie vernichten. – Okay, wenn ich das sagen würde, könnte ich einen Schocklacher bekommen, aber es wäre nicht wirklich Satire.«
Tom Lehrer, 1928–2025
Leslie Neeson
Die erste Überraschung: dass daraus kein furchtbarer Film geworden ist, sondern ein lustiger. Die zweite: dass ein Film der vermeintlich so schnellen Gegenwart viel langsamer wirkt als seine mehr als 35 Jahre ältere Vorgängerreihe. Aber ein beständig wummernder Actionfilm-Score etabliert nun einmal eher Unruhe statt Komik: Es schmiegt sich dann vielleicht die Parodie enger ans Parodierte (in der Einstiegsszene wird »Batman – The Dark Knight« vermutet), lenkt aber vom Witz ab. Wohingegen in den alten »Naked Gun«-Filmen noch die Witze vom Plot ablenkten und das Tempo der Gagfrequenz geschuldet war, nicht den schnellen Schnitten.
Dies eingestanden, macht Liam Neesons 2025er »Nackte Kanone« tatsächlich Spaß. Die Handlung ist aktuell, inklusive Tech-Bros und Weltverschwörung, aber das stört nicht, ist vielmehr brauchbare Folie: Aus der Zeit gefallen war auch der alte Frank Drebin. Viele Szenen sind mustergültig aufgebaut: Drebin junior, gefangen in einem dahinrasenden selbstfahrenden Elektroauto, tritt und schießt verzweifelt die Windschutzscheibe heraus. Als diese endlich zu Bruch geht, quert ein Clown die Straße, dessen Luftballontraube sich Sekunden später im Wageninneren befindet. Nächster Zebrastreifen: zwei Männer, die Bienenkörbe tragen, und flugs landen auch die Bienen im Auto. Dass als Drittes eine nagelneue Windschutzscheibe über die Straße getragen wird und genau dort aufknallt, wo die alte zerstört wurde, setzt die Pointe, dichtet das Chaos im Auto ab und ist so konsequent wie überraschend: Alles auf Anfang, aber viel schlimmer.
Liam Neeson zerstört viel und bleibt dabei meist stoisch. Das kommt Leslie Nielsen nahe, wenngleich sich der Filmsohn der Fußstapfen bewusst ist: »Ach Dad, ich möchte gerne genauso sein wie du, aber zugleich völlig eigenständig und originell!« In der Körperkomik steht der Junior dem Senior nicht nach; auch ihr Berufsethos ist das gleiche, wenn Jung-Drebin, der sich an den einzigen Weißen, den er je erschossen hat, genau erinnern kann, lachend fragt, wie denn das bitte gehen solle: Polizisten, die sich ans Gesetz halten? »Who’s gonna arrest me? Other cops?« Neu ist, dass die Kamera gern die entscheidende Sekunde zu lang auf den Gags bleibt – Zugeständnis ans gealterte Stammpublikum oder an die kurze Aufmerksamkeitsspanne der Jugend? Etwas rarer gesät sind die surrealen Details, etwa ein sich selbstständig schrubbendes Bierglas; ungewohnt ist die Episode mit einem lebendigen Schneemann, die mit der vertrauten Ästhetik bricht und wohl aufs Konto von Produzent Seth »Ted« MacFarlane geht.
Geblieben sind die produktiven Missverständnisse fehlgehender Dialogführung (»May I speak freely?« – »I prefer English«), und wenn auf Klassiker des Wörtlichnehmens aus den Jahren 1988 ff. noch eins draufgesattelt wird, dann weiß man immerhin, dass man sich in der fröhlichen Referenzhölle der Gegenwart befindet: »Zigarre?« – »Ja, das ist eine.« – »Nein, ich meinte, ob Sie eine rauchen wollen.«
Würdige Fortsetzung? Ja, das ist eine.
