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Die bessere Antwort #19

admin

Mein Mann schaut jeden Tag zum Einschlafen die Sendung »Markus Lanz«. Ist das ein Scheidungsgrund?

Ihre Frage lässt Sie nicht gut aussehen. In meinen Augen ist sie ein weiterer Beleg dafür, dass heutzutage sogar ein »Prosecco kaltstellen ist auch irgendwie kochen«-Wandtattoo strapazierfähiger ist als das Eheversprechen »In guten wie in schlechten Zeiten«. Glauben Sie mir, keine Scheidungsrichterin, jedenfalls keine, die ich kenne, würde sich darauf einlassen, Ihrem Mann mehr Schuld am Ehe-Aus zuzuweisen als Ihnen. Also lassen Sie es gut sein, wenn Sie Ihren Mops und den Airfryer nicht nur an Feiertagen sehen möchten.

Ihr Mann hat offensichtlich ein Problem, denn niemand begibt sich jeden Tag freiwillig in die Geiselhaft von »Markus Lanz«. Obwohl wir uns im Jahr 2025 befinden, herrscht kaum awareness darüber, wie viele Menschen die Talkshow während der Pandemie in eine emotionale Abhängigkeit getrieben hat. Das ist erschreckend. Für Ihren Mann und für viele andere Menschen war Markus Lanz in Corona-Zeiten so was wie ein Vater, denn unsere eigentlichen Väter sind der Aufgabe, Hendrik Streeck zu Omikron zu befragen, nicht nachgekommen.

Zu dieser Erkenntnis bin ich nicht allein gekommen, sondern zusammen mit anderen Betroffenen in einer Facebook-Gruppe. Ja, auch ich war emotional abhängig von »Markus Lanz« und brauchte Hilfe, um mich zu lösen, und nein, dafür muss ich mich nicht schämen. Uns trifft keine Schuld, auch wenn Sie das vielleicht anders sehen. Früher war es Uri Geller, der uns Zuschauer:innen mit einem Dessertlöffel hypnotisiert hat. Heute ist der Löffel dem geknickten Zeigefinger von Markus Lanz gewichen, aber das Ergebnis ist dasselbe.

Ich würde Ihren Mann ja zu der Gruppe hinzufügen, aber wir nutzen sie nur noch, um Termine zum Brunchen auszumachen. Nichts gegen Ihren Mann, aber ich kenne ihn zu wenig, um wissen zu wollen, wie viel Gramm Rührei er schafft. Sie müssen ihn jetzt unterstützen. »In schlechten Zeiten« heißt auch, den Partner aus der ZDF-Mediathek zurück in die Realität zu holen, wenn es nötig ist. Mein Vorschlag: Reenacten Sie vor dem Schlafengehen denkwürdige Szenen aus »Markus Lanz«. Und falls Sie dafür einen Robin Alexander benötigen, bin ich da.

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