Die bessere Antwort #20

Ist es okay, dass ich enttäuscht bin, weil mein Neugeborenes nicht aussieht wie ein Labubu?
Wer hohe Erwartungen hat, läuft Gefahr, enttäuscht zu werden. Eltern, die vor der Geburt schon Kontakt zu Babymodelagenturen aufgenommen haben, weil die jawline des Säuglings auf den Ultraschallbildern sehr kantig aussah, wissen, wovon ich spreche. Normalerweise sorgen die Hormone bei Müttern dafür, dass sie ihren frisch ausgepressten Nacktmull ohne jawline trotzdem süß finden und sich nicht für eine Legalisierung von Abtreibungen nach der Geburt einsetzen. Aber manchmal auch nicht und das ist total okay.
Ich mache den Eltern ihre hohen Erwartungen nicht zum Vorwurf – da sind Sie keine Ausnahme. Wenn Ihr Säugling auf den Ultraschallbildern wirkte, als hätte er hasenähnliche Ohren und spitze Zähne, liegt das in erster Linie an der schlechten Qualität von Sonogrammen. Selbst iPhones machen heutzutage bessere Fotos. Meiner Meinung nach ist ein anderer Punkt allerdings wichtiger: dass Ihnen jemand den Eindruck vermittelt haben muss, es wäre möglich, ein Labubu zu gebären. Dafür möchte ich die Medien in die Verantwortung nehmen.
Es wird viel über Labubus berichtet. Ein Großteil der Fakten trifft auch auf Säuglinge zu. Beide sind süß und hässlich zugleich, klein und beliebt bei Sammlern. Wie bei einer Schwangerschaft kommt beim Kauf einer Labubu-Blindbox der Reiz daher, dass man nicht weiß, was man bekommt. Beides tut auch ziemlich weh, die Geburt schmerzt im Bauchbereich, und das stundenlange Anstehen für ein Labubu geht auf die Füße, Beine und den Rücken. Einen essenziellen Unterschied unterschlagen die Medien allerdings.
Säuglinge sollte man nicht mit einem Schlüsselanhänger an der Hose befestigen, auch nicht mit der Nabelschnur, auch wenn es verlockend ist, sonst stresst das Jugendamt. Hätten die Medien das aufgegriffen, wären Sie wohl nicht so durcheinander gekommen. Meiner Meinung nach sollten Sie Ihr Neugeborenes trotzdem behalten, es zur Überbrückung vielleicht Labubu nennen. Denn: Ich bin zwar keine Hellseherin, aber überlegen Sie mal, in was für einer Zeit wir leben. Wer weiß, was mit KI alles möglich ist, wenn Sie ein zweites Baby planen.