Die bessere Antwort #32
Ich bekomme jede Woche die Online-Therapiesitzungen meines Mitbewohners mit. Ist es übergriffig, ihn auf sein geringes Selbstwertgefühl anzusprechen?
Nein, natürlich nicht. Was für eine Frage. Dass Sie überhaupt mithören KÖNNEN, ist doch schon Beweis genug dafür, dass Ihr Mitbewohner nach Ihrem Rat schreit. Wenn er Privatsphäre gewollt hätte, hätte er Sie ja vorher knebeln und im Heizungskeller einsperren können. Hat er aber nicht, oder? Okay, wenn er zu so was in der Lage wäre, müsste er auch keine Probleme mit seinem Selbstwertgefühl haben, denn es ist sehr eindrucksvoll, jemanden ohne Training einfach so knebeln und einsperren zu können. Mea culpa.
Menschen mit geringem Selbstwertgefühl fällt es schwer, andere um Hilfe zu bitten. Deshalb bringt es nichts, darauf zu warten. Sie müssen eigeninitiativ tätig werden. Naheliegend wäre, die Therapeutin Ihres Mitbewohners abzusetzen und selbst diese Rolle zu übernehmen. Das sollten Sie auf jeden Fall tun, aber ich habe mich selbst noch auf eine zweite Idee gebracht. Das passiert mir oft. Also: Bieten Sie ihm an, dass er Sie knebeln und im Heizungskeller einsperren darf. Manchmal hilft Reden vielleicht, aber Selbstwirksamkeit auch.