Gsella am Donnerstag
VICTOR MARIÁTEGUI
ALLES DARF DIE LIEBE
Wie der Samen der Vanille fliegen
Leuchten wie die Blüten der Cantua
Frei und stark sein wie der wilde Puma
In den Himmel wachsen wie Mesquiten
Fließen wie der Rio Uribamba
Tanzen darf sie und auf jedem Fest –
Lieb’ die Liebe, schenk ihr ein Caramba
Auch wenn sie deine Liebste gehen läßt
Der Beginn weiß von der ewigen Schuld Spaniens gegenüber Peru und war vielleicht zu schön, um gut zu sein. Auf Autorensuche in den Grenzdörfern des Naturschutzgebiets Pacaya-Samiria wurde ein Madrilener Eine-Welt-Verleger von einem Bauern gebeten, ihm eine Probe seiner Lyrik zeigen zu dürfen. Der Verleger nickte, las – und weinte, denn alles war da: Bildsprache aus endemischer Flora und Fauna, die magische Kraft archaischer Metrik sowie eine Überwindung von Patriarchat und Besitzdenken, wie sie selbst in der spanischen Großstadtlinken kaum zu finden war. Schnell gingen sechs Euro Vorschuß über den Tisch¸ und wie groß erst die Freude, als der Dichter zusätzlich ein Tagebuch hervorzog, das eine noch indigenere Sprache sprach! „2.3.08. Könnte kotzen. Läßt sich meine Kuh von diesem feisten Weichei hobeln! 7.11.08. Hocken jetzt seit ewig hier auf dieser fuck Bröckeltreppe. Aber kein Wort mehr mit denen! 6.8.09. Gehört, Conquistador-Verleger auf Talentsearch; fix Reimschleim gespuckt mit Puma / Rio Uribamba & so, weiß der Wichser doch nicht, daß die hier nicht wachsen“ – inzwischen trifft man sich vor Gericht. Männer…
ELFRIEDE JELINEK
