Zum Inhalt springen
Titanic Shop

Hefte, Bücher, Geschenkideen: direkt zum TITANIC-Shop.

Eugen Egners »Gift gibt Kraft«

admin


Transdimensionale Anatomie (neue Fassung) – Teil 2 –

Sie trug einen mantellangen, mit Tressen und Goldschnüren reich behangenen dunkelroten Uniformrock sowie schwarze Lederstiefel. Ihr Kopf hatte ein extrem eigentümliches Aussehen. So sehr ich mich auch bemühte, gelang es mir nicht, das Gesicht visuell zu erfassen. Alles, was ich deutlich sehen konnte, waren zurückgekämmte dunkle Haare und darunter zwei unterschiedlich große, ganz und gar nicht auf gleicher Höhe befindliche Ohren. Der sehr schmale Bereich zwischen letzteren schien nur ein Auge und weder Nase noch Mund zu enthalten. Allerdings veränderte sich dieser Eindruck laufend, so dass – zumindest in meiner Wahrnehmung – ein Unschärfe erzeugendes Pulsieren und Glitzern entstand. Je länger ich das anatomische Rätsel betrachtete, desto mehr Ungereimtes fiel mir auf. Der ohnehin abwegig anmutende Gnom wirkte zudem optisch weiter entfernt, als er tatsächlich war. Dadurch erweckte er den Eindruck, nicht demselben Maßstab anzugehören wie seine direkte Umgebung. Allein sein rechter Arm, der deutlich zu groß für ihn war, entsprach den allgemeinen räumlichen Gegebenheiten. Es drängte sich der Gedanke auf, dieser Arm sei ein Bindeglied zwischen zwei unterschiedlichen Größendimensionen.
Die Gastgeberin flüsterte mir zu: „Sein Trick besteht wahrscheinlich darin, dass er durch einen Schlauch mit einer anderen Welt verbunden ist. Die Verkündigung der Jungfrau Maria soll ja auch durch einen Schlauch erfolgt sein.“ Versuchsweise drückte ich wieder diverse Tasten. Es geschah aber nichts.

Mehr aus dieser Rubrik