Briefe an die Leser | Oktober 2025
Jauuuuul, Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte!

Auf dem bayerischen Gillamoos verkündeten Sie als Reaktion auf Kanzler Merzens jüngste Aussagen zur Finanzierung des Sozialstaates: »Wir müssen und wir werden den Sozialstaat verteidigen – mit Klauen und mit Zähnen. Das sind wir den Menschen schuldig.« Schon nachdem Merz den »Herbst der Sozialreformen« angekündigt hatte, hatten Sie der Welt gesagt: »Für uns ist der Sozialstaat eine historische Errungenschaft, die wir mit Klauen und Zähnen verteidigen werden.«
Hmm, Bovenschulte … Das Welt-Interview fand kurz nach dem August-Vollmond statt, das Gillamoos-Zitat wiederum wurde unmittelbar nach dem weltweit bestaunten sogenannten Blutmond Anfang September öffentlich. Müssen wir uns Sorgen machen? Beobachten Sie in letzter Zeit Veränderungen an sich, sobald sich der Erdtrabant besonders eindrucksvoll am Nachthimmel zeigt? Wachen Sie wiederholt mit Gedächtnisverlust, zerschlissener Kleidung und blutigen Fingernägeln auf?
Wir sagen mal so: Wenn der angedrohte Sozialkahlschlag wirklich herbstens eingeleitet werden sollte, machen Sie Ihr Versprechen doch bitte wahr und statten Sie dem bestimmt supersaftigen und leckeren Herrn Merz einen nächtlichen Besuch ab! Die nächste Gelegenheit ist der Erntemond, der sich am 7. Oktober als orange glühender »Supermond« zeigen soll.
Mit Lykanthropie gegen Misanthropie! fordert Titanic
Du, »Spiegel«,
hast Deiner Leserschaft geraten, das Smartphone lieber nicht mit zur Toilette zu nehmen, da andernfalls »Hämorrhoidalleiden« drohten. Das habe unter anderem etwas mit der Schwerkraft zu tun. Dass das wahrscheinlich vor allem etwas damit zu tun hat, was man da so liest, verschweigst Du clever. Sonst käme vermutlich heraus, dass Du selbst die nässenden Arschausschläge verursachst, Spiegel, und weniger das unschuldige technische Gerät.
Grüßt von der Afterparty: Titanic
Wirklich steinerweichend, Dwayne »The Rock« Johnson,
was wir da bei der BBC über Sie erfahren mussten: Sie fühlten sich nämlich von der Hollywoodmaschinerie in eine Schublade gesteckt und machten deshalb diese ganzen erfolgreichen Blockbusterfilme. Diese Filme würden Ihnen zwar gefallen und Sie hätten auch Spaß daran, sie zu drehen, jammerten Sie weiter, aber weil Sie immer nur in solchen erfolgreichen Blockbustern mitgespielt hätten, wüssten Sie ja gar nicht, wozu Sie noch so in der Lage seien.
Da müssen wir Ihnen zustimmen: Erfolgreich, berühmt und sehr, sehr reich zu sein verbaut einem natürlich so ziemlich alle Möglichkeiten.
Aber wer weiß? Vielleicht schaffen Sie es doch noch, die Fesseln des Erfolgs zu sprengen. Wir freuen uns schon auf einen kleinen Indie-Arthouse-Film, in dem »The Rock« gemeinsam mit Chris Pratt, Jason Momoa und Kevin Hart die Abgründe der menschlichen Existenz ergründet, gesellschaftliche und psychologische Schmerzgrenzen überschreitet und komplexe Charakterentwicklungen durchläuft, bis es schließlich zu einem unbefriedigenden Ende kommt, das keinen der Erzählstränge abschließt, sondern bloß noch weitere Fragen aufwirft.
Drücken Ihnen ganz, ganz doll die Daumen, dass der Film dann endlich mal kein Erfolg wird:
Ihre Cineast/innen von Titanic
Grüß Dich, Rowohlt-Verlag!
»Wer die Wahl hat, liest immer das Richtige«, wirbst Du, dick unterstrichen, für eine Deiner Top-Autorinnen, und den etwas kopflahmeren unter den Fans erklärt die Fußnote das gewitzte Wortspiel: »Der neue Roman von Bestsellerautorin Caroline Wahl«. Aber warum, Rowohlt-Verlag, auf halbem Wege stehenbleiben? Wo das Sprichwort doch recht eigentlich lautet: »Wer die Wahl hat, hat die Qual«!
Unterhalt Dich darüber doch mal mit unserem Herrn Gärtner (S. 16).
Bei Romanen lieber wählerisch: Titanic
Na super, Dean Cain!
Sie sind (wenn überhaupt, dann) als Superman-Mime aus der 90er-Jahre-Serie »Superman – Die Abenteuer von Lois & Clark« bekannt. Und während Sie damals fiktiv gegen den Milliardär und Schurken Lex Luthor kämpften, wollen Sie heute real für den Milliardär und Schurken Donald Trump streiten und laut Spiegel »bei der massenhaften Abschiebung von Migranten aus den USA helfen«. Dafür rührten Sie die sozialmediale Werbetrommel: »Auf Instagram veröffentlichte Cain in den vergangenen Tagen ein Video, in dem er seine Follower dazu aufruft, als ICE-Agenten anzuheuern.«
Sie, Cain, glauben wohl allen Ernstes, mit diesem Aufruf für die Trump’schen Massenabschiebungen Heroisches vollbracht zu haben. Dabei könnten Sie so leicht ein echter Held sein! Für krypto(nit)-faschistische Wichtigtuer und MAGA-Maniacs wie Sie wäre es nämlich bereits ein ans Übermenschliche grenzender Kraftakt, einfach mal zu schweigen. Üben Sie sich also doch bitte in der Superkraft der medialen Unsichtbarkeit!
Auf diese stille Heldentat Ihrerseits hoffen die Supersatiriker/innen von Titanic
Übrigens, Sarah Connor,
dass Sie jetzt gemeinsam mit Ihrer Tochter Musik machen, sei Ihnen gegönnt. Dass die junge Frau aber beim Singen den Mund öffnet und richtige Vokale und Konsonanten artikuliert, hat uns dann doch verwirrt. War es Ihre Absicht, solche Mixed Signals in die Welt zu setzen, als Sie Ihrem Kind den Namen »Summer« gegeben haben?
Reißt den Mund nicht nur beim Singen weit auf: Titanic
Nǐ hǎo und privet, Putin und Xi!
Weil versehentlich die Mikrofone offen waren, wurde ein Gespräch, das Sie während einer Militärparade in Peking privat zu führen glaubten, live im Fernsehen übertragen. Und worüber unterhalten sich zwei Supermachtlenker, wenn sie glauben, dass sonst nur die Dolmetscher lauschen?
Putin: »Die Biotechnologie entwickelt sich ständig weiter. Menschliche Organe können kontinuierlich transplantiert werden. Je länger man lebt, desto jünger wird man und kann sogar Unsterblichkeit erlangen.«
Xi: »Einige sagen voraus, dass Menschen in diesem Jahrhundert bis zu 150 Jahre alt werden können.«
Na so was! Sind da zwei gestandene Kerle etwa wegen der eigenen Endlichkeit besorgt?
Wir sagen es ungern, aber so ein Gespräch über Unsterblichkeit und die darin spürbare Todesangst sind in ihrem Grad der Verweichlichung einfach schrecklich, nun ja: westlich.
Unsterblich grüßt Titanic

Moment mal, »Zeit«!
»Vielen erscheint Hermann Göring noch immer als ›gemäßigter Nazi‹, der persönlich nichts gegen Juden hatte« – wie bitte? Bzw.: Was kennst Du denn für Leute? Und wäre nicht, wo Du schon die kontroversen Themen auspackst und Deine berühmte Frage zur Seenotrettung bereits etliche Jahre her ist, mal wieder ein mutig-provokantes Pro & Contra fällig, z. B.: »Göring – nett oder Nazi«?
Nicht ganz so gemäßigt: Titanic
Söder!
Ja, Söder! Braav. Ganz ein Braver ist er, der Söder. Gell? Ja, gaanz ein Braver! Wo ist das Wurschti? Ha? Na, wo ist das Wurschti? Ja, da ist ja das Wurschti! Ja, so ein Braver! Ja, friss, Söder! Friss das Wurschti! Ja mei, ja schau, wie’s dem schmeckt. Ja sowas Feines. Ja sowas. Und jetzt geh aber wieder raus aus dem Instagram, Söder, gell, und zwar fix, sonst gibt’s was mit der Zeitung!
Und zwar mit der Titanic
Angriff, Pete Hegseth!
Seit Anfang September sind Sie offiziell der Kriegsminister der Vereinigten Staaten, da Ihr Verteidigungsministerium umbenannt worden ist.
Hat sich Ihre Regierung diese Entscheidung auch gut überlegt, Hegseth? Denken Sie doch mal an die Konsequenzen! Was ist mit den vielen, vielen Journalist/innen, die in ihrem ganzen Leben nur ein einziges Buch gelesen haben? Die Ihnen (in diesem einen Punkt) nun aber keine Parallelen zu Orwells »1984« vorwerfen können, weil das, was Sie da machen, ja gerade das Gegenteil von Neusprech ist? Erwarten Sie etwa, dass die jetzt noch andere Bücher über totalitäre Systeme lesen und sich was Neues überlegen?
Und von den armen deutschen Kabarettist/innen ganz zu schweigen, denen Sie mit der Umbenennung Ihres Ministeriums ihr halbes Repertoire zerschossen haben! Die jetzt keinen Applaus mehr für die Aussage erwarten dürfen, dass sie es ja treffender fänden, würde es Kriegsministerium heißen? Sollen die sich einen neuen Witz einfallen lassen, oder was?
Schüttelt den Kopf über so viel Zerstörungswut: Titanic

Und dass Sie, liebe Aubrey Plaza,
Ihren Ehemann, den Drehbuchautor und Regisseur Jeff Baena, im Januar verloren haben, tut uns natürlich leid. Dass Sie sich den Podcast Ihrer Freundin und Schauspielkollegin Amy Poehler ausgesucht haben, um erstmals öffentlich über dessen Erhängungstod zu sprechen, ist auch verständlich. Dass dieser Podcast »Good Hang!« heißt, finden wir schön, denn es zeigt, dass Sie trotz allem Ihr verlässliches Gespür für Komik nicht verloren haben.
Hängt auch noch ein paar Jahre dran: Titanic
Ganz ruhig, Café Royal!
Mit dem Slogan »Dieser Kaffee wirkt auch morgen noch« drohst Du derzeit in unserem örtlichen Edeka-Markt. Wie anstrengend! Da stellen wir uns schon mal auf zwei Tage Herzrasen und eine durchwachte Nacht ein. Oder meinst Du, dass es reicht, wenn wir den Kaffee morgen trinken, weil er bis dahin noch haltbar ist?
Machen sich vor Verwirrung erst mal eine Mate auf:
Deine Koffeinfans von Titanic
Vielen Dank, »Zeit«-Akademie!
Du bist das »digitale Weiterbildungsangebot der Zeit-Verlagsgruppe« und versuchst, unter der Überschrift »So verhandeln Profis: FBI-Strategien für den Alltag« Deinen Leser/innen beizubringen, wie sie sich in der nächsten Gehaltsverhandlung zu verhalten haben.
Haben wir es also richtig verstanden, dass wir eine mediale Schmierenkampagne gegen unseren Chef fahren und Berichte fälschen sollen, um ihn davon zu überzeugen, unser Gehalt zu erhöhen? Und falls das nicht hilft, müssen wir ihn illegal einbuchten und zur Not erschießen, bis er endlich bereit ist, uns angemessen zu bezahlen?
Ist schon dabei, seine Familie zu infiltrieren:
Deine Titanic
Amazing, Annalena Baerbock!
Sie haben ein Video von sich veröffentlicht, wie Sie sich an Ihrem neuen Wohnort New York morgens einen Kaffee to go kaufen. Aber welche crazy Aktion folgte dann? Was haben Sie als Nächstes getan?
Sind Sie etwa Rolltreppe gefahren? Oder haben in der U-Bahn Musik über Ihre Kopfhörer gehört? Haben Sie sich ein bisschen später noch einen weiteren Kaffee gekauft? Oder – was ja wirklich ein totaler Knüller wäre – sogar einen Kult-Matcha?
Kann die Antwort vor Aufregung gar nicht abwarten:
Ihre Titanic
Ah ja, Julia Ruhs (31)!
Sie machen als »prominenteste Konservative in der ARD« (Spiegel) auf sich aufmerksam und haben als Kulturkämpferin gegen Feminismus und Wokeness bereits eine eigene Sendung im Öffentlich-Rechtlichen.
Das Unbesondere ist es, das Sie besonders macht, so präsentieren Sie sich zumindest selbst: »Ich war so ein richtiges Mädchen. Rückblickend schrecklich naiv und brav.« Leichtathletik, Querflötenunterricht, Abischnitt 2,4. Die Mutter Krankenschwester, der Vater Bankkaufmann, Kindheit im Häuschen am Feldrand. »Wir waren eine stinknormale Familie«, sagen Sie und fügen hinzu: »Soweit man stinknormal noch sagen darf.«
Zugegeben, Ruhs: Diese Mischung aus schablonenhafter Provokation und zur Schau gestellter Durchschnittlichkeit zeigt Wirkung. Wir fühlen uns milde angeödet und möchten auf der Stelle einschlummern – so wie Ihr Ü70-Publikum auch!
Gähn! Titanic

Konnichiwa, »Tagesspiegel«-Edelfeder Richard Friebe!
Frisch zurück aus dem Japanurlaub berichten Sie von Ihrem Besuch in Kyoto und davon, wie Unmengen an Tourist/innen Ihnen ebendiesen leider versaut haben. Gereizte Nerven aufgrund der Menschenmassen machten Sie auch bei den Einheimischen selbst aus, wie Sie mit einer persönlichen Episode zu belegen wissen: »Einmal im Bus versuche ich, mich mit meinen zwei Kindern an einer jungen Frau vorbeizuschlängeln, um rechtzeitig an der Tür zu sein. Sie streckt den linken Arm in einer deutlichen Geste in meine Richtung, ohne mich anzusehen, das Gesicht versteinert. Wir sollen gefälligst warten«, zeigen Sie sich baff. »Es ist, angesichts der sonst so universellen Höflichkeit der Japanerinnen und Japaner, ein geradezu schockierendes Erlebnis.«
Was für eine schöne Anekdote, Friebe, bei der Sie journalistisches Gespür fürs Detail beweisen. Nur müssen wir jetzt doch mal fragen: Wenn Sie an anderer Stelle so scharfzüngig von »blonden Frauen in Polyester-Kimonos«, »arabischsprechenden Großfamilien« und »akustisch recht auffälligen Gruppen aus Indien und China« schreiben – dürfen wir in Ihrem Fall dann vom eigennützigen Deutschen ausgehen, der aus panischer Angst, zu kurz zu kommen, einfach nicht warten kann, bis er selbst mit dem Aussteigen an der Reihe ist?
Fragt Ihre alte Kosmopolitin Titanic
Hört, hört, Barbara Mersmann (»Ruhr Nachrichten«)!
»Schon in den 80er-Jahren sang Nena von ›99 Kriegsministern‹ mit Benzinkanistern, die Krieg riefen und Macht wollten – und vom ernüchternden Ende: 99 Jahre Krieg lassen keinen Platz für Sieger«, kommentierten Sie Trumps Dekret zur Umbenennung des US-Verteidigungsministeriums in Kriegsministerium und befahlen in der Überschrift Ihres Artikels »Donald, hör auf Nena«. Dabei dürfte ausweislich des Geträllers von Frau Kerner während der Corona-Pandemie mit der Ernennung von Robert F. Kennedy Junior zum United States Secretary of Health and Human Services genau das längst geschehen sein.
Ruft deshalb: »Barbara, hör auf«: Titanic
Griaß Di, Marco Wanda!
Durchs Alter weise und milde geworden, sahen Sie im Spiegel-Interview demütig auf die wilden Jahre Ihrer Band zurück. »Die Beatles, Nirvana, Wanda: Das waren alles mal junge Menschen, die eine Gitarre in die Hand genommen und ihr Leben und das Leben anderer verändert haben.«
Und damit meinen Sie sicherlich nicht nur das Leben von Cousinen, sondern all der Millionen und Abermillionen von Fans, die damals der Wandamania verfallen sind und den Geruch von Teen Spirit verbreitet haben. Schade nur, dass einige Bands so schnell wieder in der Versenkung verschwinden und sich heute praktisch niemand mehr daran erinnert, wer eigentlich noch mal diese Beatles oder Nirvana waren.
Hören ohnehin nur holländischen Hardcore-Gabber-Techno:
Ihre Hakker von Titanic
Kriminell, Polizei,
ist, was Du den Medien in Deinen Pressemeldungen seit Jahrzehnten zumutest: Verletzte werden stets ins Krankenhaus »verbracht«, Fahrzeuge »kollidieren im Begegnungsverkehr«, und ein Schaltknüppel heißt bei Dir »Gangwahlhebel«. Ein Radfahrer ist »tödlich verunfallt« – und die »Polizei eilte zur Unfallörtlichkeit«.
Statt schlichter Fahndungen sind’s bei Dir »sofort intensiv durchgeführte Fahndungsmaßnahmen«, eine Verfolgung mutiert zur »Nachfahrt zur Anhaltung des Pkw« und eine Ampel ernennst Du zur »Signallichtanlage«. Die Krönung liefertest Du, als ein Autofahrer einem Reh ausweichen musste und daraufhin gegen die Leitplanke bretterte: »Das Reh entfernte sich von der Unfallstelle.« Vermutlich unerlaubt. Bietet Dir für wenige »Zahlungsmitteleinheiten« einen Schreib-Workshop an: Titanic
Haha, Freizeitheim Hannover-Linden!
Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass es gar nicht so einfach ist, abgedroschenen Witzformaten wie Inselwitzen oder Kommt-ein-Mann-zum-Arzt einen interessanten Dreh zu geben.
Da Du ein Freizeitheim für Leute aus dem Stadtteil bist, hätten wir eine solche Bearbeitung auch gar nicht in Deinem Kompetenz- oder gar Aufgabenbereich gesehen. Sehr freudig überrascht waren wir also, als wir in den Aushängen lasen, dass Du Dich offenbar des Formats »Tag der offenen Tür im Gefängnis/U-Boot usw.« angenommen hast: Neben Angeboten wie Yoga- und Zumbakursen und einem Mitmach-Zirkus hast Du nämlich auch eine Besichtigung der »offenen Dunkelkammer« im Programm.
Und das finden ganz gelungen: Deine überbelichteten, blonden Ostfries/innen von Titanic
Bitte, Bundessozialministerin Bärbel Bas (SPD)!
Sie haben die großmäuligen Forderungen Ihres Kanzlers nach Kürzungen am Sozialstaat abgelehnt. »Ich muss das zurückweisen, denn wir sind ein reiches Land«, sagten Sie dem Stern. »Ich finde, wir haben jetzt eine große Chance, unsere Systeme auch für die nächsten Generationen sattelfest zu machen. Dafür müssen wir kreativ sein, Neues denken, zum Beispiel in der Frage, welche Berufsgruppen man an den Kosten beteiligen könnte.«
Hervorragende Idee, Frau Bas! Dann wird es, so wie wir Sie und die Ihren kennen, wohl bald die Lumpensammler/innen, Zöllner/innen und Gebrauchtwagenhändler/innen treffen, die Leichenwäscher/innen, Kleindealer/innen oder sonst irgendwelche Werktätigen, die regelmäßig zu knapsen haben – Hauptsache jedoch, niemanden aus Ihrer sogenannten »Mitte der Gesellschaft« mit Eigenheim, Carport und Betriebsrente!
Aber bitte verschonen Sie ausnahmsweise mal die unkreativen Gagschreiber/innen und Witzbildzeichner/innen. Sie sind mit ihrer täglichen Fron, Altes stets neu zu denken, schon genug gestraft!
Fleht Ihre Titanic
Hup, hup, Rügener Cabriofahrer!
Wir hatten bisher das Vorurteil, Cabriofahrer/innen seien meistens Erb/innen oder sonst wie Privatiers, und hatten Deine Zunft daher als eingebildet, rücksichtslos, schnöselig, arrogant und faul eingeschätzt, mit einem ausgeprägten Faible für Menschenverachtung und einem sehr fragilen Ego. Aber Dein Fall, in dem Du Dich von dem Mittelfinger eines 13jährigen Kindes so sehr beleidigt fühltest, dass Du Deinen Wagen auf der Straße gewendet hast, um noch einmal zum Kind zurückzuheizen und es mit 25 km/h über den Haufen zu fahren, sodass es mehrere Meter durch die Luft geschleudert wurde und mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden musste, hat uns eines Besseren belehrt: Ihr seid ja gar nicht alle faul!
Dafür, dass Du Bereitschaft gezeigt hast, für Deine Menschenverachtung und das fragile Ego sozusagen »the extra mile« zu gehen bzw. zu fahren, werden all die anderen eingebildeten, rücksichtslosen, schnöseligen, arroganten Cabriofahrer/innen Dir sicherlich dankbar sein.
Bleiben jedoch vorsichtshalber lieber ganz zu Hause: Deine Radfahrer/innen von Titanic
Tierisch gut, Initiative Noah,
finden wir, dass Du Dich für die Befreiung von Zirkustieren einsetzt und dabei »Freiheit statt Zirkus« und »Tiere gehören in die Wildnis – nicht in die Manege« forderst. Tierisch schlecht hingegen finden wir, dass Du diese Forderungen mit einem Löwen bebilderst, der eindeutig in einer nordeuropäischen Landschaft seine Freiheit genießt. Bevor wir Dir also vollends zur Seite springen, könntest Du bitte definieren, in welche »Wildnis« Du die lieben Tierchen entlassen willst?
Das wäre ein bärenstarker Dienst an Titanic
Nous vous aidons, Monsieur Macron!
Jetzt haben Sie mit François Bayrou schon den dritten Premierminister seit Anfang 2024 verschlissen!
Dabei müssen Sie doch ganz dringend sparen, und da hilft es nicht, wenn diese ganzen ehemaligen Regierungschefs dem Staat auf der Tasche liegen.
Darum haben wir einen Vorschlag für Sie: Streichen Sie, wie von Bayrou geplant, die beiden staatlichen Feiertage und erlassen Sie dann direkt danach, um die Arbeitnehmer/innen zu besänftigen, eine neue Regelung: Arbeitsfrei für alle, wenn ein Premierminister zurücktritt.
D’accord? Ihre Titanic

Du, altehrwürdiges Cambridge Dictionary,
hast jüngst Begriffe wie »skibidi«, »tradwife« und »delulu« in Deine Onlineausgabe aufgenommen. »Wir fügen nur Wörter hinzu, wenn wir denken, dass sie bleiben werden«, begründete Dein Lexical Programme Manager Colin McIntosh den Redaktionsentscheid. Bedeutet das im Umkehrschluss, dass – Stichwort: Erbfolge – »Queen« jetzt endlich mal aus Dir gestrichen wird?
Fragt humorvoll britisch: Titanic
Zu Befehl, Patrick Sensburg (CDU)!
Soll Deutschland angesichts russischer Aggression junge Menschen wieder zum Wehrdienst verpflichten? Eine Debatte, in der Sie sich als Präsident des Reservistenverbandes der Bundeswehr nun für einen neuen Ansatz starkmachen: »Wir sollten nicht mehr versuchen, dieses Thema Wehrpflicht zu ignorieren, zu verdrängen oder Gründe zu finden, warum es vielleicht nicht geht. Sondern wir sollten über das Wie nachdenken«, dafür plädieren Sie im Deutschlandfunk. Der Gedanke, Sensburg, leuchtet ein. Lässt man die Gegenargumente erst mal außen vor (ja verdrängt sie gewissermaßen), fällt die Debatte gleich bedeutend leichter, und wir können uns auf die konstruktiven Aspekte konzentrieren. Zum Beispiel darauf, wie wir denn jetzt bitteschön möglichst schnell die Wehrpflicht wieder einführen.
Prophezeit Ihnen eine Karriere in der Diplomatie: Titanic