Zum Inhalt springen
Titanic Shop

Hefte, Bücher, Geschenkideen: direkt zum TITANIC-Shop.

Briefe an die Leser | März 2026

admin

Hut bzw. Mütze ab, Lucas,

vor Deiner Arbeit! Jahrelang hast Du für uns mit Ruhe, Gelassenheit und Bart Artikel und Rubriken gelayoutet. Nie bist Du laut geworden, wenn mal ein Text am Redaktionsschluss um 16 Uhr reinkam oder wenn Du nach Mitternacht noch mit Laura die Briefe setzen musstest. Was hast Du nicht alles über Dich ergehen lassen: Toms Gebrüll, Hardys Gebrüll, Unordnung, chaotische Redaktionsgespräche, deren Knotenpunkt Dein Schreibtisch war, Verwesungsgeruch aus den Wänden, Budgetkürzungsdebatten und Budgetkürzungen, Martinas Gebrüll.

Aber als Fan des FSV Mainz bist Du es ja auch gewohnt, Dich nie zu beschweren und schlimme Situationen auszuhalten. Oder lässt Du im Stadion etwa die ganzen Aggressionen raus, die sich in der Redaktion aufgestaut haben? Anders können wir uns Deine stoische Gelassenheit, mit der Du dem Druck hier standgehalten hast, nicht erklären.

Allerdings kennst Du Dich mit Druck ja auch aus. Immerhin bist Du Co-Autor eines einschlägigen Erfolgsbuches (»In unserer Küche wird gedruckt«). Wenn es mit dem Kahlschlag in der Redaktion so weitergeht, könntest Du dann nicht TITANIC bei Dir am Esstisch herstellen? Wie viele Hefte schaffst Du denn so pro Tag? Wir kommen Dir schon mal mit unserer Auflage entgegen.

Im Gegenzug können wir Dir gern eine weitere Deiner geliebten Rollen in TITANIC-Artikeln anbieten, nachdem Du schon als Bundeswehrsoldat, neuseeländischer Polizist, der Jagd auf rauchende Jugendliche macht, Maître de Cuisine für Dubai-Schokolade auf Hessisch und Ghettoblaster-Proll brilliert hast.

Außerdem legen wir noch für unsere Lesungen im Club Voltaire freien Eintritt auf Lebenszeit (des Clubs Voltaire) obendrauf – unter der Voraussetzung, dass Du Deine Frau und ihr sympathisches Lachen mitbringst, mit dem sie der verschnarchten Runde ordentlich einheizt. Und wenn Du schon mal da bist, kannst Du mit Tom das umfangreiche Craft-Beer-Sortiment des Clubs verköstigen und über Hopfigkeit fachsimpeln. Wir sehen uns hoffentlich ganz bald da!

Bis dahin: Mach es gut, lieber Lucas! Besser wird es ohne Dich eh nicht mehr bei Deiner Titanic

Mehr Solidarität, Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen,

fordern Sie im öffentlichen Raum. In einem ausufernd langen Facebook-Post schilderten Sie, wie Sie in einem Regionalzug einen Jugendlichen davon abhalten wollten, sich ohne dafür gültigen Fahrschein in die erste Klasse zu setzen.

Nachdem Sie ihn belehrt hatten und in Ihrer Funktion als Leiter der Ortspolizeibehörde seine Personalien aufnehmen wollten, sahen Sie sich von mehreren anderen Fahrgästen bedrängt, die Sie filmten und als »armes Opfer« bezeichneten. Keiner habe sich mit Ihnen solidarisch gezeigt und sei gegen den Regelverstoß vorgegangen. Das habe Sie nachdenklich gemacht. Dazu haben Sie auch allen Grund: Es ist doch wirklich schade, dass erst ein so unendlich penetranter Dorfsheriff wie Sie auftreten muss, damit es mal zum Klassenkampf kommt!

Wünscht sich noch viel mehr solche Solidarität: Titanic

Ist das schon Dialektik, Bastian Pastewka,

was Ihnen in einem Interview zur Weltlage einfiel? »Uns muss klar sein, dass das, was speziell ein US-amerikanischer Präsident momentan macht, brandgefährlich für den weltweiten Zusammenhalt ist«, sagten Sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Und Ihr neuer Film ist auch genau deshalb eine Amazon-Produktion, weil der Konzern und sein Gründer Jeff Bezos dadurch erst mal weniger Geld haben, um es diesem US-amerikanischen Präsidenten zu spenden?

Ist alles klar: Titanic

Hola, Ola Källenius (Mercedes-Chef)!

Im Gastbeitrag in der Welt schreiben Sie: »Weltkriege, Wiederaufbau, Wirtschaftswunder, Wiedervereinigung, Fußball- und Exportweltmeisterschaften – der Aufstieg der Bundesrepublik hat auch unseren Weg geebnet.« Nur aus Interesse: Ab welchem Punkt in der Aufzählung beginnt denn der Aufstieg? Und wo wir gerade dabei sind: Wie kann denn ein Aufstieg einen Weg ebnen?

Fragt für die nächste Bergwanderung: Titanic

»Bunte«-Chefredakteur Robert Pölzer!

Einen schönen Sermon husten Sie da in Ihren »Respekt leben!« betitelten Leitartikel der Ausgabe 6/26 ihrer Glitzerzeitschrift: »Warum fällt es uns nur so schwer, die Welt mit den Augen eines Mitmenschen zu sehen? Wir würden erkennen, wie verletzlich er ist und wie leicht es sein kann, ihn glücklich zu machen. Wenn wir jedem so begegnen, wie wir von anderen behandelt werden wollen, dann werden wir mehr Glück erfahren.«

Das ist lustig, weil wir uns in derselben Ausgabe am »Kokain-Skandal« des schwedischen Königshofes erfreuen dürfen, an Bastian Schweinsteigers Unterhaltszahlungen, »Gerüchten« über Alexander Zverevs »Liebesleben«, dem »Beckham-Beben« (»Warum schwelt so viel Hass zwischen Victoria und Schwiegertochter Nicola?«) und Bushidos Umzugsschwierigkeiten (»Ein Typ, der Berliner Verhältnisse nach Grünwald einschleppt – das will nun wirklich keiner!«). Unverdrossen winseln Sie, Pölzer, weiter: »Dieses Glück ist nachhaltiger und kostbarer als die schnelle Freude darüber, jemand anderen kleingemacht zu haben. Respekt ist die Grundvoraussetzung für wahre Liebe.« Absatz. Und Finalsatz: »Aus einer Schneeflocke kann eine Lawine werden.«

Und so ergibt das Ganze natürlich Sinn, Pölzer, alte Snowflake: Denn wenn wir uns etwas vorstellen müssten, das besonders schnelle Freude daran hat, andere kleinzumachen, dann fällt uns genau das ein: eine Lawine!

Und jetzt verrollen Sie sich bitte wieder, ja?

Kein Respekt von Ihrer Titanic

Oh nein, Rob Schneider,

jetzt hat Ihre Frau doch tatsächlich nach 15 Jahren Ehe die Scheidung eingereicht! Das könnte teuer werden – womöglich sind Sie bald gezwungen, würdelose Rollen in niveaulosen Klamaukfilmen anzunehmen … Wie, was? Die Verträge für »Der Furzdoktor«, »Deuce Bigalow 3: Space Gigolo« und »Super Dog vs. die Impfmafia« hatten Sie bereits vorher unterzeichnet? Schön für Sie!

Findet Titanic

Du wiederum, Kulturradiosender »Ö1« (Wien),

machst uns schon Spaß: An einem Tag berichtest Du über einen preisnominierten Film, in welchem sich eine Frau zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges als Soldat ausgibt, um nämlich, so Deine Worte, »ein selbstbestimmtes Leben zu führen«; am anderen Tag warnst Du uns, die Tricks von Telefonbetrüger/innen würden »immer perfekter«. Mag (beides) sein! Am allerperfektesten ist aber Radiojournalismus, wenn er selbstbestimmt möglichst falsche Komparative und möglichst hohle Empowerment-Phrasen hinausbläst. Meinst Du nicht auch?

Die selbstbestimmtesten Grüße von Titanic

Nachdem, Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner,

der Wirtschaftsrat der CDU gefordert hatte, Zahnarztbehandlungen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen, gifteten Sie in Richtung Regierung: »Dann geht es uns jetzt an die Zähne.« Dabei könne man doch froh sein, in einem Land zu leben, in dem man nicht an den Beißerchen erkenne, ob jemand arm oder reich ist.

Natürlich ist der Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und der Mundgesundheit eines Menschen hinlänglich bekannt und in Studien vielfach bestätigt. Aber wie soll jemand von einer Partei, der es widerstrebt, dem einfachen Volk aufs Maul zu schauen, denn bitte wissen, wie es darin aussieht?

Putzt gewissenhaft dreimal am Tag jemanden wie Sie runter: Titanic

Sehr geehrter Thüringer Ministerpräsident Doktor Mario Voigt,

wir wollen ja nicht in der Wunde bohren, und es ist uns herzlich egal, ob Sie bzw. Ihre Kolleg/innen und Parteigenoss/innen um den Entzug irgendwelcher Doktortitel bangen. Ein Detail aus Ihrer mühsam zusammengeflickten, von der TU Chemnitz mittlerweile aberkannten Dissertation hat uns aber doch interessiert: nämlich, dass Sie auch bei der einleitenden Danksagung an Freund/innen und Kolleg/innen auf geklaute Textbausteine zurückgreifen mussten.

Wissen Sie denn nicht, Voigt, was Ihnen dadurch in Ihrem beruflichen Alltag für Vertrauensverluste drohen? Stellen Sie sich mal vor, Sie beehren irgendein Volksfest mit einem Grußwort, stecken mitten im aufrüttelndsten Teil (»Schön, heute bei Ihnen zu sein«, »… hat zum Glück auch das Wetter mitgespielt«), und als Sie sich gerade bei allen Servierkräften und ehrenamtlichen Helfer/innn bedanken wollen (»… ohne deren tolle Vorbereitung dieses herrliche Bratwurstfest niemals zustande gekommen wäre«), da bemerken Sie in den Gesichtern Ihrer Zuhörerschaft Zweifel an der Aufrichtigkeit und Originalität Ihrer Worte. Anders als mit einem beherzten »Danke für gar nix!« bei jeder Gelegenheit werden Sie das in Zukunft nicht lösen können – denn Ihr Undank käme dann immerhin ganz authentisch von Ihnen.

Da nich’ für: Titanic

Fergie, Eure Hoheit!

Beziehungsweise und etwas genauer gesagt: Sarah Ferguson, ehemalige Herzogin von York! Über Jahrzehnte hinweg waren wir Nichtadligen so stolz auf Dich, da Du Dir – genau wie Mette-Marit, Noch-Kronprinzessin von Norwegen – allein durch die Macht der Liebe stellvertretend für uns alle einen Platz im europäischen Hochadel erkämpft hattest, obwohl Du doch bloß aus privilegiertesten bürgerlichen Verhältnissen stammst.

Dass Du Dich nun auffallend häufig in den jüngst veröffentlichten Epstein-Files tummelst, finden wir entschieden weniger märchenhaft. Du, Fergie, hast Dich von dem verurteilten Sexualstraftäter und Betreiber eines Missbrauchsrings jahrelang finanziell alimentieren lassen und ihn einst in einer Mail als »Bruder, den ich nie hatte«, bezeichnet. Das alles empört uns nicht wenig. Wir rasen vor Wut. Unsere Forderung: Dir gehört die bürgerliche Herkunft entzogen!

Gruß- und titellos: Titanic

Vorsicht, »SZ«-Redakteur Alexander Mühlauer!

In Zeiten, in denen die Welt auf dem Kopf zu stehen scheint, fällt es manchmal schwer, den Überblick zu bewahren. Wenn aber US-Präsident Donald Trump, nach all dem Locker Room Talk, all den Spötteleien über die freie Presse und europäische Staatschefs sowie den vielen, vielen rassistischen, zu Gewalt anstiftenden und antidemokratischen Äußerungen, Grönland auf dem Wirtschaftsforum in Davos als »Stück Eis« bezeichnet, und wenn daraufhin, Mühlauer, die zentrale These Ihres Kommentars in der Süddeutschen Zeitung lautet: »Wer so agiert, kann kein Anführer der freien Welt mehr sein«, haben Sie dann das Gefühl, eine Frage zu beantworten, die auch nur im Entferntesten noch im Raum stand?

Fragt mit echtem Interesse: Titanic

Obwohl wir Dir, Caracalla-Therme (Baden-Baden),

keinesfalls das Wasser abgraben möchten, bezweifeln wir doch, dass Du bei der Wahl Deines Namens ein glückliches Händchen bewiesen hast. Denn überall dort, wo die Informationen über Caracalla reichlich sprudeln, begegnet uns statt eines gut durchmassierten Kaisers, der ganz entspannt die römische Wellnesskultur förderte, ein grausamer Tyrann, der in seiner kurzen Amtszeit (211–217) gleich mehrere Blutbäder anrichtete.

Innerhalb der Familie des nämlichen Gewaltherrschers scheint es ebenfalls nicht besonders entspannt gewesen zu sein. Aber relax, Baden-Badener Therme, relax: Caracalla hat seinen kleinen Bruder zwar vor den Augen der eigenen Mutter ermordet. Aber immerhin nicht, indem er ihn ersäufte!

Heute mal quellenkritisch: Titanic

Auweia, Herr Wadephul!

Im Rahmen Ihrer Afrikareise posteten Sie online Fakten über Äthiopien und wählten als Hintergrund die zwar sehr schöne, aber halt in Kenia liegende Skyline Nairobis.

Zuerst dachten wir uns nichts bei diesem Lapsus, bis uns einfiel, was noch mal genau Ihr Job ist. Passen Sie also bloß auf, dass Ihnen solche Fehler in Zukunft nicht in heikleren Situationen unterlaufen: Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn der deutsche Außenminister Nordmazedonien und Griechenland verwechselt! Oder die Himmelsrichtungen durcheinanderbringt und Kim Jong-un zur Wiederwahl als südkoreanischer Ministerpräsident gratuliert. Oder welche politischen Verwerfungen Sie auslösen könnten, indem Sie in einem unbedachten Moment aus Versehen Franken und Bayern durcheinanderbringen!

Glaubt, dass das Ihr politisches Aus bedeuten würde: Titanic

Sie, Zhang Huoqing,

wurden von der BBC zu den »traurigen Pferden« befragt – einem Plüschtiertrend, der entstand, »after a worker sewed its smile on upside down«.

Warum die Kuschelklepper nicht nur in China, sondern auch in den internationalen Sozialen Medien so gut ankommen, wussten Sie ebenfalls: »It suits the spirit of today’s corporate slaves … People joked that the crying horse is how you look at work.« Sie müssen es ja wissen. Denn Sie, Zhang Huoqing, sind von Beruf die Besitzerin ebenjener Fabrik, in der die traurigen Pferde hergestellt werden.

Und somit haben Sie auch alle Fäden in der Hand: Wenn sich die Arbeiter/innen weltweit so sehr an den Knuddelkaltblütern erfreuen, dann tun Sie ihnen doch mal etwas Gutes und peitschen Ihren »slaves« ordentlich ein, damit ausreichende Mengen der Stoffstuten auf den Markt traben können.

Pausen streichen, Überstunden satt, bei Verletzungen einfach die (noch vorhandenen) Zähne zusammenbeißen!

Ganz genauso wie in der Redaktion von Titanic

Moment mal, »Deutschlandfunk«!

Du möchtest auf Deinem neuen Tiktok-Kanal »Moment mal« laut Beschreibungstext »Kontext zu vieldiskutierten Videos« liefern. Eines dieser Videos zeigte die AfD-Politikerin Lena Kotré, die zusammen mit Martin Sellner von der Identitären Bewegung in den Raum stellte, bis zu 20 Millionen Menschen, die nicht dem arischen Ideal entsprechen, aus Deutschland abzuschieben.

Eine markige Idee, der Du, lieber Deutschlandfunk, aber direkt mit Deinem knallharten Reality-Check die Luft aus den Segeln nahmst. Wie wir in Deinem Video lernten, wäre es nämlich voll crazy, so viele Menschen zu deportieren, weil es ja dann gar nicht mehr genug billige Arbeitskräfte gäbe. Zwar gebe es dank KI gute Möglichkeiten, Arbeiter/innen zu ersetzen, aber die KI könne ja nicht »schweißen, Menschen waschen oder das Bett im Hotel beziehen«.

Finden wir super, dass Du Deinem Bildungsauftrag gerecht wirst und tolle Argumente lieferst, warum Massenabschiebungen und ethnische Säuberung gar nicht so gute Ideen sind. Noch besser finden wir aber, wie ehrlich Du uns hier zeigst, wen Du als Deine Zielgruppe ansiehst – und wen nicht.

Sind voll überzeugt:

Deine Bürgis von Titanic

Sicher, Gilles Kepel?

Wie Sie als Nahost-Experte im FAZ-Interview erklärten, hätten die Nachbarländer des Iran nicht nur Sorge vor einem Aufstieg des IS, sobald das Mullah-Regime zusammenbricht, nein, es gibt auch noch andere Bedenken der Anrainerstaaten: »Zweitens fürchten sie, dass Iran vor seinem Untergang, wie ein verwundetes Tier, Raketen auf seine Nachbarn abfeuern könnte.«

Hilfe! Welche Tiere tun denn sowas? Und kann man die betreffende Spezies nicht mit Sanktionen belegen oder ihr zumindest ein paar pre-emptive strikes verpassen, bevor sie ihre Nachbartiere in Schutt und Asche bombt? Reden Sie doch mal mit Trump, der hat da bestimmt originelle Ideen!

Raten Ihre tierischen Gag-Raketen von Titanic

Sagen Sie mal, Sepp Blatter!

Im Sommer ist Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko, und als legendärer Ex-Fifa-Boss, dem der unschuldige, wahre, unkorrupte Fußball immer am Herzen gelegen hat, hatten Sie eine Empfehlung: »Für die Fans gibt es nur einen Ratschlag: Bleibt den USA fern.« Es sei richtig, »diese Weltmeisterschaft infrage zu stellen«.

Was, Blatter, ist los? Nur weil Sie vom Geldfluss jetzt abgeschnitten sind und Ihrem Nachfolger, dem sogar noch größeren Halunken und Fußball-Trump Infantino, die Pfründe nicht gönnen, kriegen Sie den Moralischen? Wie geht das denn jetzt weiter? »Blatter plädiert für Fußballsteuer«? »Blatter empfiehlt: Schafft den Profifußball ab«? »Blatter: Sozialismus oder Tod«?

Für Fans: Titanic

Pfiffige Idee, Florentino Pérez,

die Sie in Ihrer Funktion als Präsident von Real Madrid hatten: Sie drohten den eigenen Fans mit dem Entzug der Dauerkarte oder Stadionverbot, wenn sie Ihre Mannschaft weiterhin auspfeifen. Aber warum da schon aufhören, Pérez? Es gibt doch noch so viele andere Verhaltensweisen unter Fußballfans, die sanktioniert gehören: Zum Beispiel sollten Sie die Fans auffordern, Gespräche untereinander während des Spiels zu unterlassen, da diese die Spieler verunsichern könnten – vielleicht denken die Königlichen sonst ja, dass die Leute auf den Tribünen über sie lästern. Außerdem stören doch die Atemgeräusche des Publikums die Spieler in ihrer Konzentration! Und warum verpflichten Sie die Fans nicht, sollte jemand einen Elfmeter verschießen, aufbauende Sätze reinzurufen wie: »Nächstes Mal klappt es bestimmt!«, »Es ist gut, dass du es versucht hast!« oder »Dein Wert definiert sich nicht über deine Leistung und wir haben dich trotzdem ganz dolle lieb!«?

Nur einige Vorschläge von Ihren Pfeifen auf der Titanic

Was für eine Vorstellung, »Spiegel«!

Den Finger fest am Puls der Zeit, stellst Du die sackblöde Frage: »Ist Gold der neue Bitcoin?«

Welch ein Unfug! Als würde sich eine so etablierte Wertanlage, die seit Ewigkeiten für Reichtum steht, mal eben von einem hippen neuen Edelmetall verdrängen lassen! Was Du wohl als Nächstes für idiotische Fragen im Gepäck haben wirst: »Ist Zufußgehen das neue E-Scooter-Fahren?«, »Sind Zigaretten die neuen Vape-Pens?« oder »Sind Öfen die neuen Airfryer?«?

Möchte die Antworten gar nicht lesen: Deine stets goldige Titanic

Grüß Gott, Mira, 24, Bestatterin in spe!

Im Fluter berichten Sie davon, dass Sie auf Partys ungern über Ihre Ausbildung zur Bestatterin sprechen. Schließlich herrsche dann »erst einmal betretenes Schweigen, bevor die große Fragerei losgeht«. Wirklich, betretenes Schweigen? Nicht Grabesstille, vielleicht sogar Totentanz? Arbeiten Sie doch bitte etwas an Ihren sterbenslangweiligen Sprachbildern, fordert dead serious: Titanic

Hey, Rechtsprofessor Andreas Gran!

In der Taz werben Sie für ein Schulfach Jura. Jugendliche müssten ein juristisches Grundverständnis vermittelt bekommen, denn sie kämen heute viel stärker als früher in Kontakt mit dem Rechtssystem: »Unsere überhitzte Konsumgesellschaft ist voll ausgerichtet auf die teilweise unbedarften Jugendlichen mit ihren Sneakers, mit ihren Energydrinks, mit ihren Onlineplattformen, mit dem ganzen Kommerz.«

Gut gesprochen! Gerade diese Energydrinks sind ein anschauliches Beispiel dafür, dass junge Leute ihre Rechte kennen sollten. Kein Mensch ist verpflichtet, dieses Zeug zu trinken, aber das weiß unter Teenagern offenbar niemand!

Steht über dem Gesetz: Titanic

Glückwunsch, Reinhold Würth (90),

Sie haben es mit der Schraubenfirma Würth zum Milliardär gebracht und bemängeln in der Augsburger Allgemeinen nun die fehlende Arbeitsmoral der Deutschen. Das klingt unter anderem so: »Wir sind jetzt in Deutschland an der Kante vom Sein zum Vergehen angekommen, befinden uns also in einer Phase, in der der Niedergang nicht weit ist.« Nanu, hat da ein gewisser »Schraubenkönig« (Bild) einen Hang zum Philosophieren, oder greift da das ein oder andere Gewinde im Hirnkasterl seiner Majestät nicht mehr richtig?

Viel stärker schockiert uns aber, was der Artikel über Ihre eigene Arbeitsmoral verrät: »Reinhold Würth selbst lässt es sich nicht nehmen, auch mit 90 Jahren ab und zu Aufgaben in seinem Weltkonzern zu übernehmen: ›So diktiere ich manchmal um 21:30 Uhr abends zu Hause noch Briefe und gehe immer wieder ins Büro.‹« Ja, was heißt denn da »ab und zu«? Und warum lassen Sie bereits um halb zehn abends den Stift fallen? Und das im zarten Alter von 90 Jahren!

Tut uns leid, Ihnen das mitteilen zu müssen, Würth, aber mit Work-Life-Balance wird sich Deutschland wohl kaum an die Spitze der Weltwirtschaft emporschrauben. Haben Sie denn die vielen Appelle unseres Kanzlers nicht gehört?

Screw you! Titanic

Kai Wegner, alte Skandalnudel!

Da standen Sie ja schon wieder in der Kritik! »Berlins Regierender Bürgermeister erntet Spott im Netz«, titelte die Berliner Morgenpost. Laschet und Kubicki machten sich ebenfalls über Sie lustig. Was war geschehen? »Der CDU-Politiker hatte auf der Plattform X vom Landesparlament eine schnelle Gesetzesänderung gefordert, um den Einsatz von Streusalz auf eisglatten Gehwegen zu ermöglichen«. Der Einsatz von Streusalz und anderen Taumitteln sei aus Umweltgründen in Berlin weitgehend verboten.

Uff. Wir hielten ja schon den »Skandal«, bei dem Sie trotz Stromausfall Tennis spielen gegangen sind, für keinen echten Aufreger, um ehrlich zu sein. Aber eine Streusalz-Kontroverse – im Ernst? Sie sind der Regierende Bürgermeister von Berlin, Wegner! Nehmen Sie sich doch mal ein Vorbild an Ihren Vorgänger/innen Wowereit und Giffey – da war noch was los!

Oder ist das die größte Tragödie daran, dass seit Jahrzehnten erstmals wieder die CDU in der Hauptstadt regiert: dass Berlin arm und langweilig wird?

Streusalz in die Wunde: Titanic

Oha, Dressurreiterin Lisa Müller!

Dass Sie sich im Interview mit der Süddeutschen abfällig darüber äußern, dass Sie, Ehefrau von Fußballer Thomas Müller, für viele nur »die dumme Spielerfrau« sind, »die eigentlich nur Nägel lackieren kann«, ist sehr verständlich. Aber übertreiben Sie es nicht etwas mit Ihren vielen Tätigkeiten, von denen Sie so ausführlich berichten?

Zuallererst sind Sie natürlich Turnierreiterin. »Um acht Uhr sitze ich auf dem ersten Pferd, reite dann bis 15 Uhr etwa acht Pferde.« Um acht Uhr! Acht Pferde! Beeindruckend! Doch damit nicht genug, denn Sie wollen sich obendrein »ein zweites Standbein schaffen, falls mal was ist, gesundheitlich oder so«, und haben daher »mit einem Freund eine Immobilienfirma gegründet«. Zusammen bauen und kaufen Sie nicht nur Häuser, sondern Sie verkaufen oder vermieten sie auch. Abermals sehr beeindruckend!

Doch damit immer noch nicht genug, denn Sie wollen sich auch aktiv in die Politik einbringen (»Ja, das Thema interessiert mich sehr«). Sie machen zurzeit verschiedene Praktika, in denen Sie Landespolitikerinnen bei ihrer Arbeit begleiten. Das, so sagen Sie, »ist ziemlich zeitintensiv. Zunächst war ich bei Ilse Aigner, der bayerischen Landtagspräsidentin, dann bei Kerstin Schreyer, die im Ausschuss für Wirtschaft, Landesentwicklung, Energie, Medien und Digitalisierung sitzt, und bei Gesundheitsministerin Judith Gerlach.«

Wirklich kaum zu glauben, was Sie alles schaffen! Aber wird es nicht langsam unglaubwürdig, wenn Sie erzählen, dass Sie sich in Ihrer Freizeit auch »jeden Polit-Talk« anschauen, und ergänzen: »Ich habe übrigens auch schon ein Praktikum bei der Polizei in München gemacht«? Was machen Sie eigentlich nicht? Hoffentlich müssen Sie sich nicht auch noch die Nägel lackieren!

Legt erst mal die Füße hoch, damit der Lack trocknen kann: Titanic

»ARD«-Korrespondentin Gudrun Engel!

Nach der Ermordung von Renée Good und Alex Pretti durch Einsatzkräfte des ICE und der Grenzpolizei in Minneapolis hatte Donald Trump den früheren Leiter der US-Einwanderungsbehörde, Tom Homan, in den Bundesstaat Minnesota entsandt. Auf die Frage, was der Präsident damit bezwecke, antworteten Sie in der Tagesschau: Er wolle damit anerkennen, dass »die Heimatschutzbehörde und die ICE-Agenten bei diesen Aktionen in Minnesota offenbar über das Ziel hinausgeschossen« sind.

Uns hingegen bleibt anzuerkennen: Treffsicherer als mit dieser Formulierung hätten Sie nicht danebenzielen können!

Hat Sie von nun an im Visier: Titanic

Mehr aus dieser Rubrik