Briefe an die Leser | Januar 2026
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU)!

Am Tag, an dem Sie den islamistischen Verein Muslim Interaktiv verboten und Hausdurchsuchungen in seinem Umfeld veranstaltet hatten, erklärten Sie: »Wer auf unseren Straßen aggressiv das Kalifat fordert, in unerträglicher Weise gegen den Staat Israel und Juden hetzt und die Rechte von Frauen und Minderheiten verachtet, dem begegnen wir mit aller rechtsstaatlichen Härte.«
Fair enough, Herr Minister! Aber was ist mit all jenen, die auf unseren Straßen höflichst um das Kalifat bitten und in überaus freundlicher Weise gegen den Staat Israel und Juden hetzen? Müssen wir diese Leisetreter/innen tatsächlich frei in unseren Städten herumlaufen lassen?
Gehen Sie noch mal in aller Härte in sich, rät Titanic
Auf Deiner Titelseite, »FAS«,
mussten wir lesen, dass immer mehr Bundestagsabgeordnete der CDU offen über eine Minderheitsregierung von Gnaden der AfD nachdenken. Es gebe jedoch auch noch »CDU-Leute, die eine Annäherung an die AfD als das Ende der deutschen Demokratie wahrnehmen und sogar einen weiteren wirtschaftlichen Abstieg des Landes unter einer handlungsunfähigen Koalition als kleineres Übel bezeichnen«.
Bei dem kleinen Wort »sogar« läuft uns ein echter Schauer den Rücken herunter. Offenbar findest Du es richtig bemerkenswert, wenn nicht fast ein bisschen skandalös, dass es Menschen in der CDU gibt, die trotz wirtschaftlicher Flaute eine Zusammenarbeit mit den Nazis ablehnen. Und das, obwohl die Wirtschaft unter Hitler doch so gebrummt hat!
Sogar mit Grüßen Titanic
Ahoi, UN-Klimakonferenz (COP30)!
Weil Dein diesjähriger Austragungsort, das brasilianische Belém, nicht über ausreichend Hotelbetten verfügte, wurden kurzerhand zwei Kreuzfahrtschiffe aus Europa gechartert, um alle Teilnehmer/innen unterzubringen. Die Luxusliner lagen während des zweiwöchigen Gipfels vor dem »Tor zum Regenwald« und boten mit Bars, Restaurants und Swimmingpools eine angemessene Unterbringung für Umweltminister/innen aus aller Welt.
Lasst uns raten: Dort wurden dann Schildkrötenschaumsüppchen an Haifischflossenpüree auf Tropenholztellern serviert, als Unterhaltungsprogramm im flackernden Licht von brennenden Autoreifen Hahnenkämpfe abgehalten und in den Außenbereichen die tropische Hitze mit Klimaanlagen auf angenehme 24 Grad heruntergeregelt?
Kennt das so zumindest von den mehrwöchigen Heftkonferenzen:
Deine alte Klimasünderin Titanic
Hoch die Tassen, »Bild«!
»Was passiert, wenn ich mich bei Kater krank melde?« Ja, was wird wohl passieren? Man kann sich in aller Ruhe von seiner Sauftour am Vorabend regenerieren. Hingegen passiert keineswegs, dass man aus der leistungsgeminderten Schnapsbirne alberne Artikel herausquetschen muss.
Prost! Titanic
Stillgestanden, Internationale Jugend!
Eigentlich können wir Dir in Deiner Abneigung gegen die Wehrpflicht nur beipflichten. Aber muss diese im Imperativ »Wehr dich gegen die Wehrpflicht!« daherkommen, so wie Du es u. a. in Berlin plakatierst? Läuft das nicht auf eine Wehrpflichtwehrpflicht hinaus?
Fragt pflichtschuldig: Deine Titanic
Bitte erklären, »RBB«!
»Immer mehr Süchtige rauchen Crack in Berlin«, teilst Du uns auf Instagram mit. Nur was genau wir daraus ziehen sollen, verstehen wir nicht. Wonach ist die Gruppe der Süchtigen, von denen jetzt immer mehr Crack in Berlin rauchen, denn so alles süchtig? Zählt schon dazu, wer es mit Kaffee, Doomscrolling und Kreuzworträtseln übertreibt?
Außerdem: Wie viele der Süchtigen rauchen gar kein Crack? Wie viele von ihnen rauchen es, aber nicht in Berlin? Und vor allem: Laufen die Süchtigen jetzt Gefahr, auch noch vom Crackrauchen süchtig zu werden – oder geht es ihnen hier ausnahmsweise um den wohldosierten gelegentlichen Genuss?
Süchtig nach Antworten: Titanic
Hallo Ralph Hage, Start-up-Arschloch!
Ihre Coffee-Kette LAP soll ja erstens eh der Teufel holen, und können Sie bitte zweitens wirklich Ihren edlen Vorsatz für 2026 einhalten, den Sie uns via SZ-Interview mitteilen? »Wir gehen dahin, wo uns die Menschen wollen.«
Weil das wären ja dann doch mindestens drei Orte, wenn Sie uns fragen: Die Hölle. Der Knast. Die Wüste.
Frohes Neues! Titanic
Endlich, Straßenverkehr-Fernlenk-Verordnung (StVFernLV),
trittst Du in Kraft! Somit dürfen Autos ab sofort per Fernsteuerung von einem beliebigen Ort außerhalb des Fahrzeuges bedient werden. Also haben CSU-Politiker/innen endlich die Möglichkeit, mit 230 Sachen besoffen über die Landstraße zu heizen, ohne erst umständlich den gemütlichen Bierkeller verlassen zu müssen.
Und das Beste: Wenn der Wagen mal angehalten wird oder in den Gegenverkehr rasselt, können die Polizist/innen einfach selbst in die Röhrchen blasen und niemand muss anschließend den Lappen abgeben!
Freuen sich über die Win-win-Situation: Deine ferngesteuerten Satiriker/innen von Titanic
Wir mal wieder, tagesschau.de!
»Wie rechtsextrem ist die ›Generation Deutschland‹?« fragtest Du uns in einer Überschrift. Wir wollten Dir gerade unsere gesamte Aufmerksamkeit widmen, um zu erfahren, wie man wohl ein klitzekleines bisschen rechtsextrem sein kann. Dann befiel uns allerdings plötzlich ein bisschen extreme Unlust, Deinen Artikel zu lesen.
Ist aber nur leicht extrem genervt von Dir: Titanic
Olá, Jair Bolsonaro!
Sie haben versucht, sich Ihrer gerichtlich angeordneten Fußfessel zu entledigen, indem Sie sie mit einem Lötkolben traktierten – ohne Erfolg. Das Gericht verlegte Ihre Haftstrafe daraufhin vom Hausarrest ins Gefängnis, Begründung: Fluchtgefahr!
Wohin Sie fliehen wollten, war uns sofort klar: Wahrscheinlich hatte Bundeskanzler Merz Ihnen mit seinen Schwärmereien darüber, wie viel schöner es doch in Deutschland als in Brasilien sei, einen Floh ins Ohr gesetzt. Warum sollten Sie da Ihren Lebensabend in dem shithole country absitzen wollen, dessen Oberhaupt Sie einst waren? Dann doch lieber volles Risiko. Schlimmer als im Rest von Brasilien kann’s im Knast ohnehin kaum sein, stimmt’s?
Muitos cumprimentos aus dem Märchenland: Titanic
Deutsche Medien (u. a. »Berliner Morgenpost«, »Welt«, »Tagesspiegel«),
bitte spart Euch doch endlich mal die Schlagzeile »Der älteste Deutsche ist tot«. Ist er nämlich – genau wie auch die älteste Deutsche, der dickste Deutsche, der dickste Däne oder der einfältigste Redakteur – nicht. Im Gegenteil: Er ist unsterblich, weil im Moment seines Dahinscheidens umgehend ein neuer an seine Stelle tritt und das Amt übernimmt.
Mit unsterblichen Grüßen
Eure Titanic
Summa summarum, Hamburger Imker Stephan Iblher,
unterstützen wir ja Ihren Kampf gegen mit Zuckersirup gestreckten Billighonig. Aber wenn Sie das Originalprodukt so beschreiben wie im Spiegel: »Jedes Gramm ist durch 30 bis 40 Bienen durchgegangen«, und wir erfahren, dass die lieben Immen den Nektar für den Honig auch noch auf dem Friedhof sammeln, bevor sie ihn wieder »hochwürgen« – dann bleiben wir vielleicht doch lieber bei der Zuckerpampe aus China.
Stichelt: Titanic
Eigentlich, »Zeit«,
freuen wir uns ja immer über korrekte Konjugation. Aber wenn Du uns ein »Sorge dich nicht – lies!« zurufst – wäre da Deine Referenz auf Carnegie nicht die eine Ausnahme, die die Regel bestätigt und einen falschen Imperativ rechtfertigt?
Sorgt sich so oder so: Titanic
Menschenskinder, Fabian Köster!
Im Schwarz-Weiß-Küchenpsycho-Podcast »Hotel Matze« erzählten Sie von früher: »Das ist ja bei Künstlern generell so, dass man sagt, durch den Schmerz entstehe irgendwie große Kunst. Aber eigentlich hatte ich eine schöne Kindheit.« Na eben, und daraus entstand dann ja auch keine große Kunst!
Hatte die schlimmste Kindheit von allen: Titanic

Als ungerecht, Zugführer des RE6,
haben wir die Berichterstattung diverser Medien über Ihre Trunkenheitsfahrt empfunden. Es wurde skandalisiert, dass Sie mit 2,6 Promille aus dem Verkehr gezogen wurden, nachdem Sie den Bahnhof Rheda-Wiedenbrück ausgelassen und auf offener Strecke gehalten hatten. Zunächst einmal erscheint es uns nur menschlich, die Fahrgäste vor der Tristesse einer Stadt, die in erster Linie für ihren monströsen Schlachthof bekannt ist, bewahren zu wollen.
Davon abgesehen haben wir in keinem Bericht einen Vermerk dazu gelesen, dass der RE6 in Köln startet und Sie somit schon über zwei Stunden unterwegs waren, in denen sich offenbar niemand über Ihren Fahrstil gewundert hat.
Finden, dass das Respekt verdient:
Ihre Trinkbrüder und -schwestern von Titanic
Hej, Ikea!
Lange schon haben wir überlegt, wie man das heuchlerische Virtue Signalling im Spätkapitalismus besonders eindrücklich darstellen könnte. Netterweise hast Du uns nun von unseren Grübeleien erlöst und selbst das perfekte Symbol geliefert, indem Du auf Deiner Website nichts in Regenbogenfarben darstellst – außer den Warenkorb.
Zieht entsprechend ehrfurchtsvoll den Hutständer: Titanic
Du, »Taz«,
überzeugst im Interview mit den Vorsitzenden der Grünen, Franziska Brantner und Felix Banaszak, mit einer neuen Fragetechnik: »Freitag beginnt der Grünen-Parteitag. Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie wichtig wird er?«
Weiter unten legst Du nach: »Auf der Skala von 0 bis 10: Wie gut funktionieren Sie als Team?« Und schließlich: »Auf unserer Skala: Wie sicher sind Sie sich, nach den Landtagswahlen des nächsten Jahres noch im Amt zu sein?«
Dass sich die beiden Politiker/innen schon bei der zweiten Frage gegen die Skala wehren (Banaszak: »Ich antworte lieber in Worten«), dafür kannst Du ja nichts. Aber wenn Du in der letzten Frage einfach von »unserer Skala« sprichst, wäre es doch schön gewesen, zu wissen, welche Deiner Skalen Du meinst: die von 1 bis 10 oder die von 0 bis 10? Und vor allem: Wie würdest Du diese beiden Skalen auf einer Skala von 0 bis 10 bewerten?
Auf jeder Skala eine 10: Titanic
Apropos: Zum Jahresende, Weltgeist,
gibst Du’s uns noch mal so richtig, was? Dass der verstorbene Gründer der SOS-Kinderdörfer Österreich, der im Zuge der Aufarbeitung zahlreicher Missbrauchsfälle nun selbst als mindestens achtfacher Täter unter schwersten Verdacht geraten ist, mit Nachnamen Gmeiner hieß, das wäre jedenfalls zu billig gewesen: Titanic
Geliebter Weltgeist!
Auf Dich ist Verlass – wie sonst wäre zu erklären, dass die Sprecherin der viertelstündlichen Nachrichten auf dem Infokanal des Bayerischen Rundfunks doch wahrhaft und tatsächlich »Sisi Forster« heißt. Sie macht es bis in alle Ewigkeit, immer wieder von vorne und nochmals von vorne, und stets, wenn man denkt, sie habe die letzte Meldung vorgelesen, fängt es wieder von Neuem an, ohne Erlösung bis zum Sanktnimmerleinstag.
Es danken Dir Deine gleichfalls ewig die dicksten Brocken wälzenden Sisyphosse auf der Titanic
Lieber Ronen Steinke (»SZ«)!
»Unabhängigkeit ist nicht nur ein Privileg, das Richterinnen und Richter in einer Demokratie genießen. Es ist auch eine Erwartungshaltung, die man an sie richten muss« – es ist ja schön, dass unser Journalismus auf Haltung besteht, wenn der Auftrag lautet, den Rechtsstaat gegen die AfD zu sichern. Nur gibt es halt auch eine Erwartung, die sich an den Journalismus richtet; denn wie sieht das aus, wenn das Vaterland erwacht, aber die Muttersprache liegen bleibt?
Unabhängig grüßt Titanic
Hello, Luke, Liam und Chris Hemsworth!
Ihrem gemeinsamen 71jährigen Vater Craig wurde die Diagnose Alzheimer gestellt, was uns natürlich leid tut – falls sie sich als korrekt herausstellen sollte. Wir raten nämlich in diesem Fall unbedingt zu einer zweiten Meinung! Zum Beispiel durch uns.
Kann es sein, dass sich die Krankheit von Hemsworth senior vor allem dadurch bemerkbar macht, dass er Sie, Luke (»Thor«), während des gemeinsamen Roadtrips, der für einen National-Geographic-Film unternommen wurde, stets mit »Chris« angesprochen hat, welcher Ihnen, Chris, äh: Liam, schließlich zumindest in »Westworld« so ähnlich sieht wie Sie, Chris, Ihnen, Luke, in den »Tributen von Panem«, vor allem wenn man kurz davor »The Terminal List: Dark Wolf« mit Ihnen, abermals Chris, gesehen hat, der Sie nun auch noch den »Witcher« auf Netflix geben? Das muss bei einem älteren Herrn mit vier – zwei? fünf? – Söhnen doch kein Grund zur Beunruhigung sein!
Für ihr Alter (46) noch recht aufgeweckt:
Dings, Titanic

Bei Dir, Baden-Württemberg,
geht nicht alles mit rechten Dingen zu! Schon die Geburt von eineiigen Drillingen im Juli im Rems-Murr-Kreis war auffällig. Schließlich kommen eineiige Drillinge höchstens einmal auf 100 Millionen Geburten vor. Aber nur einen Monat später wurde aus dem wenige Kilometer entfernten Böblingen schon wieder die Geburt eineiiger Drillinge gemeldet.
Ist sie das? Die Drei-Kind-Politik von Ökosozialist Kretschmann?
Zählt eins und eins (beziehungsweise drei und drei) zusammen: Titanic
Lieber Thomas B.,
Dein Tod ist tragisch, und zwar nach der Definition der alten Griechen: Da hast Du extra viel Sport gemacht, weil Du ein möglichst langes und gesundes Leben führen wolltest, nur um dann bei einer Radtour plötzlich zu sterben.
Du hinterlässt nicht nur eine trauernde Familie, die Dir für alles sehr dankbar ist, nein, auch die TITANIC-Redaktion wird einen der besten Abonnenten, den sie je hatte, vermissen.
Schickt Dir letzte Grüße ins Jenseits:
Deine Titanic
Parbleu, »FAZ«-Mitherausgeber Jürgen Kaube!
In einem maliziösen Meinungsstück über die Fehltritte des Kulturstaatsministers haben Sie unter dem Titel »Windbeutel Weimer« spitz angemerkt: »Weimer kennt die Sachen eben oft nur vom Hörensagen, zitiert gern falsch und ohne Anführungszeichen, bewegt sich aber in einem Milieu, in dem er damit durchkommt.«
Wie bitte, Herr Kaube? Wollten Sie etwa unseren Kanzler, eventuell sogar die ganze Union schmähen? Als leicht zu blendenden, intellektuell armseligen Haufen von Speichellecker/innen? Aber wie verhalten sich die anderen Herausgeber zu diesem Linksruck?
Bewegt sich ungern, besonders in Milieus: Titanic
Ey, deutsche Fluggesellschaften!
Habt Ihr noch nie davon gehört, dass der Kassenbon im Kapitalismus ein Stimmzettel ist? Wir jedenfalls haben das schon in der achten Klasse in der Nachhaltigkeits-AG gelernt und verzichten seither auf das Fliegen innerhalb Deutschlands, damit sich Eure klimaschädlichen Kurzstreckenflüge nicht mehr rentieren. Jetzt aber, wo sich Eure klimaschädlichen Kurzstreckenflüge nicht mehr rentieren, quengelt Ihr so lange bei der Bundesregierung, bis die Euch Steuererleichterungen auf Kurzstreckenflüge verspricht.
Hallo? Habt Ihr gar nichts verstanden? Denkt beim nächsten Mal bitte nach, bevor Ihr alte Gewissheiten der umweltbewussten Mittelschicht mit einer unüberlegten Lobby-Aktion zunichte macht.
Enttäuscht von Euch: Titanic
Psst, »Tagesschau«,
wir hätten da noch ein paar Fragen zu Deinem Artikel »Wenn das Schweige-Retreat zum Horrortrip wird«: Warum haben die Behörden so lange nichts gesagt? Wie konnten die Besucher/innen einfach stillhalten? Wieso bleiben die Veranstalter/innen trotz der Vorwürfe so ruhig? Und vor allem: Warum hast Du nicht früher den Mund aufgemacht?
Fragt sich still und leise: Titanic
Sie, Jenna Ortega,
sind Schauspielerin und äußerten sich zum leider omnipräsenten Thema KI: »Es gibt Dinge, die KI einfach nicht nachbilden kann«, lautete Ihre steile These. Außerdem hoffen Sie, dass KI »einen Punkt erreicht, an dem sie zu einer Art mentalem Junkfood wird und wir uns krank fühlen, ohne zu wissen, warum«, damit das Publikum wieder lerne, von Menschen gemachte Kunst wertzuschätzen.
Wir sind allerdings skeptisch, dass Ihr Wunsch sich erfüllt, Ortega: So flache und lieblose Produkte der Kulturindustrie wie beispielsweise die Netflixserie »Wednesday«, in der Sie die gleichnamige Protagonistin verkörpern, ließen sich wahrscheinlich sehr einfach durch eine KI nachbilden. Wenn nicht sogar signifikant verbessern.
Wir haben uns zumindest ganz krank gefühlt, nachdem wir eine einzige Folge gesehen hatten!
Wusste jedoch genau, warum:
Ihre Titanic

Hä, Karl-Theodor zu Guttenberg?
Sie äußerten sich zum gesellschaftlichen und medialen Umgang mit Thomas Gottschalk, nachdem dieser seine Krebserkrankung öffentlich gemacht hatte, wie der Spiegel berichtet: »Gottschalks Causa lege offen, wie sehr die Tugenden Maß und Milde unter Druck geraten seien, schrieb Guttenberg am Montag im Onlineportal LinkedIn. Zuerst habe es Häme über die Auftritte des Entertainers gegeben, jetzt gebe es eine ›Hashtag-Reue‹ nach der Krebsdiagnose«.
Wie gut, dass es nicht nur »Hashtag-Reue«, sondern auch wahre Freunde wie Sie gibt, die einem zwar nicht gleich zur Seite springen, wenn man medikamentös bedingt wirre Auftritte hinlegt, aber dann wenigstens die Diagnose nutzen, um den gesellschaftlichen Mahner zu geben. Auch wir von TITANIC hatten Witze auf Gottschalks Kosten gemacht und erst geglaubt, dass sie noch besser angekommen wären, hätten wir sie nach der Bekanntmachung der Diagnose veröffentlicht. Aber jetzt hat uns Ihr Statement zum Nachdenken angeregt und wir sind uns da nicht mehr ganz sicher. Können Sie uns helfen, Herr Guttenberg?
Benötigt Ihren moralischen Kompass: Titanic
Gerührt, Uli Hoeneß,
hat uns, mit welcher Hingabe Du in der FAZ über die 30 Meter hohe Fichte in Deinem Garten sprichst, die Du jedes Jahr weihnachtlich beleuchten lässt. In dem überraschend ausführlichen Interview erfahren wir nicht nur, wann sich abends die Lichter am Baum einschalten (»Mit Einbruch der Dunkelheit«) und wann sie sich ausschalten (»Gegen sieben Uhr morgens schalten sie sich aus. Das läuft vollautomatisch. Kann aber auch mit einem Knopfdruck gemacht werden«). Wir erfahren auch, ob Du den Baum schon mal hast untersuchen lassen (»Wir haben den Baum auch mal untersuchen lassen von einem Fachmann, als es das Gerücht gab, dass es hier am Tegernsee den Borkenkäfer gebe, aber der hat eindeutig festgestellt, dass es ein völlig gesunder Baum ist«), ob Du über das Ergebnis dieses Gutachtens froh warst (»Da waren wir sehr froh«) und ob es in Deinem Schlafzimmer infolge der Beleuchtung des Baumes etwas heller ist (»Es ist in unserem Schlafzimmer etwas heller als sonst, aber das nehmen wir gerne in Kauf«).
Dass Dein Baum laut Deiner Aussage »nur Freunde« hat, gönnen wir Dir von Herzen. Allerdings bereitet uns Sorgen, woher Du dieses Wissen nimmst: »Ich bin ja viel in Supermärkten am See unterwegs, um nachzuschauen, ob mit den Wurstwaren aus meinem inzwischen von den Kindern geleiteten Unternehmen alles in Ordnung ist, mit der Sortierung etwa. Sie glauben nicht, wie oft ich da gefragt werde: ›Na, wie geht’s dem Baum?‹«
Ach, Uli! So sieht also Dein Leben als Rentner aus? Du läufst durch Supermärkte und kontrollierst unaufgefordert die Sortierung der Wurstwaren? Und wenn Du Leute triffst, fragen sie nicht nach Dir, sondern nach Deinem Baum? Da wird einem ja warm ums Herz, und man freut sich umso mehr für Dich, dass Du Deinen schönen Baum hast und Dich so an ihm freuen kannst!
Sortiert für Dich in Zukunft immer gern die Wurstwaren: Titanic
Santé, Nicolas Sarkozy!
Das ist der Name einer Haftanstalt, aus der Sie kürzlich entlassen wurden, und Ihre Zeit dortselbst haben Sie in einem Buch des stolzen Titels »Tagebuch eines Häftlings« beschrieben.
Nun ist es schon ziemlich verlogen, dass einer, der sich als französischer Innenminister vor reichlich zwanzig Jahren mit harten Sprüchen – »die Banlieues mit dem Kärcher reinigen«, Sie erinnern sich? – einen Ruf als Law-and-Order-, Pardon: Loi-et-Ordre-Politiker erworben hat, heute über die Zustände in den Gefängnissen weint, den »Lärm« (»le bruit«) und die Leere (»Im Gefängnis gibt es nichts zu sehen, nichts zu tun«). Noch viel verlogener, Sarkozy, ist aber der konkrete Inhalt Ihres Klagegesangs. Mit Verlaub: »nichts zu tun«? Wo Sie während Ihres Aufenthalts in La Santé doch bloß 20 Tage Zeit hatten, einen 216-Seiten-Wälzer rauszuhauen, bevor Sie selbst rausgehauen wurden, nämlich aus der Zelle in den privilegierten offenen Vollzug? 10,8 Seiten pro Tag! Sie müssen während Ihrer drei Knastwochen praktisch durchgetippt haben, jedes Fitzelchen Ihrer Gefängniserfahrung verwertet, jeden Klogang mit Proust’scher Genauigkeit protokolliert haben! Oder haben Sie, um die Seiten vollzukriegen, diktiert? Ihren zwei Leibwächtern vielleicht, die mit Ihnen eingemauert waren?
Das würde dann zumindest den Lärm erklären.
Will Sie künftig weder hören noch lesen: Titanic

Und Du, Schädlingsbekämpfer aus Wilhelmshaven,
zeigst Dich im Interview mit der FAZ entsetzt, dass in einem Istanbuler Hotel das falsche Insektizid gegen Bettwanzen zum Einsatz kam: »Wer auch immer auf die Idee kommt, Aluminiumphosphid so einzusetzen, ist sowohl ahnungslos als auch kriminell.« Sowohl ahnungslos als auch kriminell? Und wir dachten, als echter Krimineller sollte man auch ein wenig Ahnung von dem haben, was man macht. Schließlich entfällt doch sonst der Vorsatz!
Hat von allem Ahnung: Titanic
Vorbildlich, »Aktuelle Stunde« des »WDR«!
Du nimmst Deinen journalistischen Auftrag ernst und lässt wirklich alle in Deinem Programm zu Wort kommen, sogar die Allerjüngsten. Zum Beispiel einen sehr begeisterungsfähigen Zehnjährigen, den Du nach seiner Meinung zum Wehrdienst befragst.
Toll! Wir wünschen uns noch viel mehr ähnlich erfrischende Stimmen in Deinem Programm. Frag doch vielleicht als Nächstes mal eine Vierjährige nach ihrer Meinung zu den aktuellen Eigentumsverhältnissen oder einen durchschnittlichen 15jährigen, ob er schon mal etwas von Deinem Programm gehört hat.
Deine Berufsjugendlichen von Titanic
Bravo, Jens Spahn!
Zufrieden mit der neuen Regelung zur verpflichtenden Musterung junger Männer sind Sie vor die Presse getreten, um den Erfolg mit den Worten zu verkünden: »Wir werden mehr Verbindlichkeit haben in der Freiwilligkeit.« Und mehr Gedankenlosigkeit in einem Gedanken geht nun wirklich nicht.
Verbindlichst Titanic