Briefe an die Leser | September 2025
Jane Campion (Regie)!
Sie mochten einen Film Ihrer Kollegin Maura Delpero, und aus den besten Gründen: »›Vermiglio‹ hat mich verzaubert. Ich bin hingerissen von leinernen Tüchern, einfachen, robusten Möbeln, von Schnee und frischer Kuhmilch; die Welt, die ›Vermiglio‹ erkundet, begeistert mich.«
Und nicht nur, Campion, Sie; oder was glauben Sie, warum es Manufactum gibt?
Ob’s dann noch ein Lob ist, bezweifelt allerdings Ihre einfache, robuste und teure Titanic
Soso, Ijoma Mangold …
In Ihrem Zeit-Magazin-Aufmacher zu Ihrer Neigung, politisch gegen das zu schwimmen, was Sie für den Strom halten, verkünden Sie: »Ich misstraue dem Konsens, schon weil dieser zur Bequemlichkeit einlädt und ich ein Anhänger von proof of work bin: Wenn jemand nachweislich Leistung erbracht hat, nehme ich sie oder ihn ernster. Und es bedarf nun einmal mehr Energie (mehr kognitiver Eigenleistung und psychischer Standfestigkeit), das Minderheitsvotum vorzutragen, als einmal mehr das wohleingeführte Narrativ zu wiederholen, bei dem alle nicken, weil sie es schon hundertmal gehört haben.«
Allerdings bedarf es zu viel Energie, eine andere Formulierung zu finden, als einmal mehr das mittlerweile leider wohleingeführte »einmal mehr« zu wiederholen, bei dem die Zeit-Leserschaft geschlossen nickt, weil sie es schon hundertmal gehört hat.
Dabei wäre diese Formulierung gar nicht nötig gewesen. Wir hätten Sie schon allein deshalb ernst genommen, weil Sie nachweislich die Leistung erbringen, in Ihrem Nabelschautext nicht nur Redundanzen (»routinierter Reflex«), sondern auch Kongruenzfehler (»Politische Meinungen sind nur ein Aspekt der Identität eines Menschen und gewiss nicht die wichtigste«) unterzubringen.
Einmal mehr beeindruckt von Ihnen:
Ihre Titanic

Bezaubert, »T-online«,
hat uns eine Volte, die Du mitten im Sommerloch schlugst. Unvermeidlich war in jener Zeit die Schlagzeile »268 Zentimeter: Angler zieht riesigen Wels aus Badesee«. Dein großes Verdienst ist jedoch, am gleichen Tag einen Artikel über eine junge Mutter aus Tschechien herauszubringen, die ein, zumindest Deiner Meinung nach, unerhört großes und schweres Kind zur Welt brachte (60 cm, 5520 Gramm). Aber, T-online, da geht doch noch mehr! Wie wär’s mit: »Hebamme zieht zwei Fuß langes Kind aus Frau«?
Da nicht für!
Deine Titanic
So ganz, Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius,
verstehen wir Ihr Problem nicht. Im Handelsblatt sprachen Sie sich gegen ein EU-weites Verkaufsverbot von Neuwagen mit Verbrennermotor aus: »Wir müssen einen Realitätscheck machen. Sonst fahren wir mit Vollgas gegen die Wand.«
Wenn aber, Källenius, ein Auto gegen die Wand gefahren wurde, noch dazu mit Vollgas, ist das dann nicht eine gute Gelegenheit, den Fahrer/innen ein neues Fahrzeug anzudrehen? Oder ist irgendwas mit den Mercedes-Airbags nicht in Ordnung?
Rätseln Ihre Geschäftsleute von der Titanic
Katherina Reiche (CDU), Wirtschaftsministerin!
In einem der vielen Porträts, die Sie mit Ihrer Forderung nach längerer Lebensarbeitszeit provoziert haben, lesen wir bei ntv.de viel Unfreundliches über Sie. Der Sozialflügel der CDU nenne Sie eine »Fehlbesetzung«, bei Reden von Ihnen falle schlagartig die Saaltemperatur, die Kolleg/innen würden bereits murren: »Hinter vorgehaltener Hand bewerten mehrere Unionspolitiker Reiches Start ins Amt als unglücklich.« In jenes seien Sie aber ohnehin nicht durch Qualifikation gelangt: »Reiches Berufung erfolgte aus der Not.« Aus Ihrem Ministerium hört man unterdessen, »die neue Hausleitung schotte sich ab und begegne den eigenen Mitarbeitern mit Misstrauen«. Sogar der Chef sei mittlerweile unzufrieden: »Bundeskanzler Merz soll Reiche gerüffelt haben.«
Dass Sie zudem offenbar mit dem dubiosen Exminister Karl-Theodor zu Guttenberg verbändelt sind, gibt Journalist/innen allerlei Grund zum Spekulieren, soll uns jedoch kaltlassen, ebenso wie Ihr Flirt mit der Rente ab 70. Uns interessiert lediglich: Beschreiben Sie sich selbst tatsächlich, wie ein Tagesschau-Beitrag zu Ihrem Amtsantritt berichtet hat, als »harte Nuss«?
Dann verstünden wir nicht nur obige Politurarbeiten an Ihrem Image viel besser, sondern, hihi, auch Ihre tiefe Liebe zur Kernkraft!
Darauf ein Toffifee: Titanic

Hmm, Ullstein-Verlag …
»Mit seinem zweiten Roman beweist Kaleb Erdmann, dass er aus der deutschen Gegenwartsliteratur nicht wegzudenken ist« – und um diesen »Beweis« unserer leider mangelhaften Geisteskraft vorgeführt zu kriegen, sollen wir also den Roman kaufen, ja?
Verzichtet dankend auf den Versuch, das Buch wegzulesen: Titanic
Aufgewacht, liebe Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin,
sind wir bei Deiner Wortmeldung in der NDR Visite: Regionalanästhesien, so Dein Fachurteil, würden aktuell viel zu selten eingesetzt. Sind Dir Braunschweig, Karlsruhe, Aschlafenburg, Penneberg und die Schlummermarck etwa noch nicht genug? Wen willst Du noch alles betäuben? Dösburg und REM-scheid?
Oder etwa gleich Bettlin? Träum weiter!
Deine Wachhunde von Titanic
Lass uns drüber reden, »Spiegel«!
Ob wir Deinen Artikel »Wie Sie erkennen, was Ihr Partner oder Ihre Partnerin wirklich mag« mögen, können wir leider nicht sagen, denn wir haben uns nicht in der Stimmung gefühlt, ihn zu lesen.
Worauf wir mehr Lust hätten, wäre zu erraten, was in dem Artikel womöglich steht: Enthält er Vorschläge wie »Sprechen Sie mit den Eltern oder der Therapeutin Ihres Partners oder Ihrer Partnerin – vielleicht hat er/sie ihnen gegenüber etwas erwähnt?«, »Blättern Sie doch mal im Tagebuch des Anderen – das Wissen über die intimsten Gedanken der geliebten Person schafft Vertrauen« oder sogar »Lesen Sie einen Spiegel-Artikel zum Thema, statt halt einfach mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin zu reden«?
Versuchen zu raten, ob sie richtig liegen: Deine Singles von Titanic
Meinst Du wirklich, Ahead-App,
dass es eine so gute Idee ist, Dich als »Duolingo, but for anxiety« zu bewerben? Für uns war Duolingo mit seiner Terroreule bislang nämlich der Inbegriff von Anxiety!
Zittern schon:
Deine Angstmäuse von Titanic
Wir, Felix Matthes (kommissarischer Vorsitzender des Nationalen Wasserstoffrats),
stellen nicht infrage, dass das Ziel, bis 2030 zehn Gigawatt Produktionsleistung des Energieträgers der Zukunft zu installieren, aktuell gerade einmal zu 1,6 Prozent umgesetzt und somit verfehlt wurde, zweifeln aber Ihr Resümee an: »Die Ziele für den Wasserstoffhochlauf im Jahr 2030 werden krachend verfehlt« (tagesschau.de).
Reiner Wasserstoff wird bei der Knallgasprobe nämlich nur durch ein geräuscharmes »Plöpp« nachgewiesen.
Weiß Ihr Chemie-Grundkurs von Titanic
Nachsitzen, deutsche Medien!
»Messer-Attacke am Marx-Kopf«, »Bluttat am Chemnitzer Nischel«, alles schön und gut. Aber wenn Ihr schon wochenlang in allen blutigen Details über einen Mord, der sich am Karl-Marx-Monument in Chemnitz ereignet hat, und den darauffolgenden Prozess berichten müsst, könnt Ihr dann nicht wenigstens einmal von einem »Kapital-Verbrechen« sprechen?
Redet mit Engels-Zungen auf Euch ein: Titanic
Ein wahres Wort, Jackie Chan (71),
sprachen Sie auf dem Locarno-Filmfestival gelassen aus: »Ich denke, die alten Filme sind besser als die aktuellen.« Finden wir nämlich auch! Wie Marilyn Monroe in »Das verflixte 7. Jahr« von der U-Bahn-Abluft in einen Stapel Obstkisten geweht wird oder wie Henry Fonda in »Die zwölf Geschworenen« mit einem beherzten Roundhouse-Kick seine Mitgeschworenen »überzeugt« – solche Szenen findet man doch in modernen Filmen gar nicht mehr. Oder wie die Ganoven in »Rififi« eine Wand hochrennen und dank perfekt choreographierter Salti und Handkantenschläge schließlich an die Beute kommen! Ganz zu schweigen davon, wie der Typ sich an das Ende des Zuges hängt, der im Bahnhof von La Ciotat einrollt …
Wie, was, da erinnern wir uns falsch? Zu viele Stühle über den Schädel gezogen bekommen? Nix für ungut.
Cineastische Grüße Titanic

Njamm, Hamburger Pizzeria!
Du bist im gerade in der Gentrifizierung befindlichen Stadtteil Wilhelmsburg ansässig und verkaufst zwischen Geflüchtetenunterkunft, Studi-WGs und Neubauwohnungen Käseplatten, Bruschetta und Pizzen mit Gorgonzola, Walnuss und karamellisierten Zwiebeln. Dass diese eher schnöseligen Gerichte Namen tragen wie »Eat The Rich«, »Alerta, Alerta« oder gar »No Borders« und von Dir auch noch mit der Caption »So nämlich« auf Instagram verbreitet werden, ist also eine antikapitalistische Aktion, mit der die bestehenden Verhältnisse bekämpft werden, und nicht etwa eine ziemlich undurchdachte Anbiederung an das hippe, linke Szenepublikum in der Hoffnung, einen gemütlichen Restaurantbesuch als eine wie auch immer wirksame Handlung gegen das Unrecht in der Welt zu verkaufen?
Fragen sich mit karamellisierten Zwiebelresten im Mund:
Deine Tiefkühlpizzafans von Titanic
Mal langsam, Ulf Poschardt!
Stolz schmeißen Sie derzeit mit Wörtern wie »Disruption« um sich, fordern bereits im Titel Ihres Podcasts »Make Economy Great Again« und wünschen sich einen Milei für Deutschland sowie das Modell Kettensäge für die Verhackstückung eines Ihrer Ansicht nach überbordenden Staatsapparats. Passend dazu haben Sie auf Ihrem jüngsten Büchlein schließlich auch Rio Reisers Worte »Macht kaputt, was euch kaputt macht« zweckentfremdet.
Dass Sie dann aber im Podcast »Hotel Matze« auf die Frage, was der Begriff Staatsquote, den Sie immer wieder gerne alarmistisch im Mund führen, denn eigentlich bedeute, so ins Schwimmen geraten und die Erklärung im Anschluss nachreichen wollen, nun: Spricht das nicht eigentlich erst einmal weniger fürs Kaputtmachen, sondern gerade in Kombination mit derlei Sendungsbewusstsein und wirtschaftlichem Gestaltungswillen vielmehr und zuallererst für einen Aufbau- bzw. Grundkurs in Ökonomie?
Ihre Wirtschaftsweisen von Titanic
Schlagersänger Matthias Distel aka Ikke Hüftgold!
Sie üben Kritik am ZDF-Fernsehgarten, beklagen nicht nur die Zensur von Liedtexten, sondern auch die künstlerische Umsetzung: »Die Sendung hat leider gar nichts mit der Realität zu tun. Den Künstlern werden die Mikrofone stummgeschaltet, die Musik kommt vom Band.«
Wir als Anhänger/innen des handgemachten Ballermannschlagers sind empört! Das macht so eine Malle-Gaudi doch erst zum Erlebnis: der Backgroundchor, der die vulgäre Hookline mitgrölt, die spontanen Synthesizer-Jams, das Unperfekte, das Improvisierte! Gut, dass es noch Schlager-Haudegen wie Sie gibt, die Wert auf künstlerische Authentizität legen.
Geil, geil, geil! Titanic

Menno, Elternverband!
Wie u. a. die Tagesschau berichtet, plädierst Du für weniger Sommerferien.
Ganz schön streng! Da bekommen wir glatt eine Ahnung, was Du als Nächstes durchsetzen wirst: Hundewelpen verbieten, nur noch gesunde Eissorten (Joghurt ohne Zucker), der Computer wird lediglich für die Hausaufgaben benutzt, bei 37,2° C gibt es kein Entschuldigungsschreiben, es ist ganz egal, wie lange die anderen aufbleiben dürfen, um 20:30 Uhr ist die Party vorbei, freitags um 16 Uhr Doppelstunde Latein für alle!
Lesen aber heimlich unter der Decke: Deine Blagen von Titanic
Verwundert, »3sat«,
hat uns Dein Instagram-Posting zum spannenden Thema »Sternzeichen-Check: Welcher Urlaubstyp bist du?«. Kurz dachten wir, wir hätten uns verlesen und wären bei der Brigitte oder auf dem Kanal von Palina Rojinski gelandet. Aber dann wurde es uns klar: Das ist bestimmt Deine neue Strategie, Dich vor der immer wieder aus der Politik geforderten Einstellung Deines Programms zu schützen. Wenn einfach nichts mehr daran erinnert, dass Du ein Kultursender bist, kann auch niemand mehr fordern, Dich wegen eines angeblichen Überangebots an Kultur dichtzumachen.
Wissen Deine Kulturfreaks von Titanic
Dass es, deutsches Schulsystem,
bei Dir an allen Ecken und Enden brennt, ist nicht neu. Nun löste auch noch der Lehrerverband ein Beben in der hiesigen Bildungslandschaft aus, indem er durch seinen Präsidenten Stefan Düll die »Flut an Einser-Abis« beklagte und prompt einen Sturm der Entrüstung u. a. vonseiten der Bundesschülerkonferenz hervorrief.
Hast Du bei den in immer kürzeren Abständen über Dich hereinbrechenden Bildungskatastrophen eigentlich schon mal über den Abschluss einer Versicherung gegen Elementarschäden nachgedacht?
Fragen Deine Mitarbeiter/innen vom kulturtechnischen Hilfswerk Titanic
Ihr Angebot in allen Ehren, Schiedsrichter- Chef Knut Kircher,
aber Ihr im Kicker-Interview geäußerter Plan, mit verbesserter Kommunikation »die Menschen noch mehr abzuholen«, ist gar nicht nötig – die wissen doch eh alle, wo Ihr Auto steht!
Pfeift grundsätzlich auf solche Ideen: Titanic
Pssst, Gerhard Delling!
Sie müssen sich derzeit vor Gericht verantworten, da Ihnen Beihilfe zur Entführung der Kinder Ihrer Partnerin, der Steakhouse-Erbin Christina Block vorgeworfen wird. Im Zuge der Untersuchung kam heraus, dass Sie im September 2021 die Block-Kinder und ihren Vater vor dem Hamburger Familiengericht beobachtet haben, »mit Hut, Brille« und »falschem Bart« (Spiegel).
Hatten Sie auch einen Trenchcoat mit übergroßem, hochgestelltem Kragen, Delling? Oder eine im Hut installierte Kamera? Und sollten Sie als erfolgreicher TV-Moderator nicht eigentlich genug Geld zur Seite gelegt haben, um einen Privatdetektiv anzuheuern, der Ihnen solche erniedrigenden Aufgaben abnimmt?
Fragt investigativ Titanic
Miau und ciao, liebe Katzen!
Über ein Mitbringsel freut man sich eigentlich immer. Eure Angewohnheit, lebende Mäuse, Schlangen und ähnliches Getier in die Wohnung zu zerren und uns stolz vor die Füße zu legen, ist eine Ausnahme von dieser Regel. Immerhin hat uns der Gedanke, dass Ihr damit Euren Dank für das Füttern, Streicheln und mietfreie Wohnen ausdrückt, bislang diese Jagdpräsente versüßt. Was wir aber jetzt auf stern.de lesen mussten, ließ uns böse auffauchen: »Katzen machen den Menschen mit einem lebenden Beutetier kein Geschenk, sondern sie wollen den Menschen etwas beibringen. Offenbar werden Menschen von Katzen als komplett unfähig eingeschätzt, Mäuse zu fangen. Die Katze wolle also instinktiv ›ihren‹ Menschen beibringen, selbst zu jagen. An diesem Verhalten könne man ablesen, dass die Katze sich als Oberhaupt und Verantwortliche eines Haushaltes sehe«, stellten deutsche und britische Verhaltensforscher/innen fest.
Na, dann haben wir einen Vorschlag, Ihr pelzigen Pauker/innen: Wir lernen von Euch das Jagen und gern auch das Schnurren, süß Herumtollen und zwölf bis sechzehn Stunden pro Tag Schlafen. Dafür nehmt Ihr endlich Eure Verantwortung als Familienkings und -queens umfänglich wahr, bringt fortan die Leckerlis auf den Tisch und geht statt unser dem Lohnsklaventum nach. Deal?
Fragen Eure Schnurren-Schreiberlinge auf der Titanic
Für Vielfalt, Vicky Leandros,
stehen Sie nach eigener Aussage. Deswegen erklärten Sie medienwirksam, Alice Weidel sei bei Ihrem Auftritt bei den Regensburger Schlossfestspielen nicht willkommen. Das hat uns zunächst irritiert, da Sie, Leandros, dort ja auf Einladung der nicht minder völkischen Schirmherrin Gloria von Thurn und Taxis auftraten. Wir können uns Ihre Ablehnung nur so erklären, dass Sie die Vielfalt der Gedankenwelt einer Gloria von Thurn und Taxis (krude Verschwörungstheorien, religiöser Fanatismus, Queerfeindlichkeit …) einfach dem öden Rechtsextremismus einer Alice Weidel vorziehen.
Fände das dann aber einigermaßen einfältig: Titanic
Cheers, Great Britain!
Du hast das Thema Frauenfeindlichkeit auf den Lehrplan Deiner Schulen gesetzt, wie wir ZDF heute entnahmen. Die Frage ist: Warum? Du bist doch das Geburtsland des Kapitalismus, und private Anbieter wie Andrew Tate und Jordan Peterson offerieren Inhalte zu Frauenfeindlichkeit längst billiger.
Und ein paar Bildungslücken sind doch auch okay …
Finden Deine bloody cunts von Titanic
Hey, Cem Özdemir!
Sie möchten die Nutzung von Sozialen Medien für Menschen unter 16 verbieten. »Ich halte eine Altersgrenze für Tiktok und andere soziale Medien für richtig«, lassen Sie sich vom SWR zitieren. Das fordern wir jetzt auch, allerdings in die andere Richtung: Nachdem wir uns mal einige Ihrer sehr langen und langatmigen Reels reingezogen haben, setzen wir uns für ein sofortiges Verbot von Social Media für alle über 50 ein!
Darf im Gegensatz zu Ihnen also noch ein paar Jahre surfen:
Ihre Titanic

Na ja, Prof. Ulrich Bröckling (Freiburg)!
Die Süddeutsche schrieb einen kritischen Artikel über »Selbstoptimierungsratgeber« (»schlanker, fitter, erfolgreicher«), und weil Expertise nottat, kamen alle zehn Zeilen Sie, der Soziologe, zu Wort. Und offenbarten Erstaunliches, etwa übers Optimierungsthema Work-Life-Balance: »Ein permanent auszutarierendes Gleichgewicht gilt als Ideal.« Also nicht das Gleichgewicht selbst, sondern das auszutarierende. Wie ja auch ein permanent zu verbesserndes Essen als Leibgericht gilt, nicht wahr?
»Üben, üben, üben, heißt die Devise. Der Weg wird aufgeteilt in kleine Schritte, die aufeinander aufbauen wie im Taylorismus, um einen möglichst einwandfreien wirtschaftlichen Betriebsablauf zu gewährleisten.« Haben Sie schon mal einen Weg ohne aufeinander aufbauende (meint wohl: folgende) Schritte zurückgelegt? Wir nicht. Wir teilen aber auch keine Wege auf, außer wenn wir sie vererben.
»Es gibt einen hohen Aufforderungscharakter des sich Vergleichen-Wollens und -Sollens. Das Angebot des Sich-Messens wird permanent stimuliert.« Wie sieht das denn aus, so ein stimuliertes Angebot? Und wie hoch ist ein hoher Charakter? Höher als die Hürden des Sie-Verstehens?
Vielleicht schauen Sie, Bröckling, mal in so einen Optimierungsratgeber. Um irgendwann einen möglichst einwandfreien heuristischen Verständnisablauf zu gewährleisten!
Permanent optimal: Titanic
Ende gut, alles gut, was, FDP?
Schließlich darfst Du die Büste Deines ehemaligen Vorsitzenden und ebenso ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss nun doch behalten. Die musstest Du nach der Liquidation Deiner Fraktionsbesitztümer nämlich an reiche Gönner/innen verkaufen, die sie Dir nun großzügig als Leihgabe überlassen haben. Entsprechend glücklich zeigte sich auch Dein aktueller Vorsitzender Christian Dürr: Theodor Heuss verkörpere schließlich »das liberale Fundament unseres Landes«. Und eben dieses liberale Fundament – die Abhängigkeit der Kunst und der Politik von der Gnade reicher Gönner/innen – zeigt vielleicht nicht Heuss, aber diese Posse doch wirklich ganz wunderbar.
Spotten böswillig
die Betonköpfe von Titanic
Privet, »Zeit«-Russlandkorrespondent Michael Thumann!
Angst vor Repressalien oder Inhaftierung hätten Sie als westlicher Journalist in Moskau zwar kaum, erklärten Sie im Interview mit T-online, jedoch träfen Sie durchaus Vorsichtsmaßnahmen: »Ich halte mich in Russland an Gesetze und Vorschriften, ich achte darauf, im Alltag keinerlei Aufsehen zu erregen. Ich respektiere die Verkehrsregeln, auf dem Fahrrad halte ich bei Rot und steige bei Überquerung eines Zebrastreifens ordnungsgemäß ab. Ich halte Visa- und Registrierungsfristen genau ein.«
Chapeau, Herr Thumann, bestimmt sehr anstrengend, so ein Leben in ständiger Wachsamkeit. Aber reicht das wirklich aus? Sollten Sie sicherheitshalber nicht auch vor dem Straßenbahnfahren einen Fahrschein lösen, im Supermarkt bezahlen und sich eventuell sogar morgens und abends die Zähne putzen?
Immer auf der Hut: Titanic