Eugen Egners »Gift gibt Kraft«

Lichtverhältnisse (2. Teil)
Was ich noch nicht begriffen hatte, war, wo die nicht mehr funktionierenden Birnen beziehungsweise, wie Heckel einmal hervorhob, „Allgebrauchslampen“ blieben. Sie schienen sich nach dem Herausschrauben in Luft aufzulösen, denn weder gab es irgendwo ein Sammelgefäß für sie, noch wurden sie einfach in die Gegend geworfen. Statt mich danach zu erkundigen, fragte ich: „Was ist das hier eigentlich für ein Planet? Oder Mond?“ Heckel sagte: „Wir wissen auch nicht genau, was es ist. Es könnte sich um so etwas wie eine andere Dimension handeln. Lassen Sie uns weitermachen, wenn auch die Vorräte schwinden.“
Während ich den rumpelnden Karren mit den klingelnd aneinanderschlagenden Glühlampen zog, wagte ich eine weitere Frage: „Weiß man denn etwas über das hiesige Tageslicht? Ich finde es etwas eigenartig, wenn Sie erlauben.“
„Es wird von keiner Sonne erzeugt“, antwortete Heckel ganz sachlich. Ich wunderte mich: „Von keiner Sonne? Aber es ist doch hell hier!“
„Das ist tierisches Licht“, versetzte Heckel. Ich konnte es nicht fassen: „Wie bitte?“
„Tierisches Licht, von Tieren gemacht.“
„Nein!“
„Doch! Das ist erforscht. Tiere machen das Licht, und wenn sie schlafen gehen, wird es dunkel. Deshalb installieren wir überall Beleuchtungskörper.“
„Was für Tiere denn?“ wollte ich wissen. Heckel konnte es mir nicht sagen: „Da fragen Sie besser mal einen Zoologen. Ich verstehe nur was von Beleuchtung.“
Damit war er wieder bei seinem Lieblingsthema: „Der Strom für die Peitschen- und Promenadenlampen wird aus dem Buschbeleuchtungssystem entnommen. Man kann heute die Lampen leicht auswechseln, während man früher die ganze Leuchte wegwerfen mußte, wenn die winzige Birne defekt war.“
Ich, noch jung und unerfahren, sah ihn bewundernd an und sagte: „Ich könnte Ihnen für immer zuhören!“

Zweitveröffentlichung, erstmals in angemessener Größe