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Eugen Egners »Gift gibt Kraft«

admin

Ein Brahms-Abend in der Blockstelle (1. Teil)

Am Abend suchte ich mit recht gemischten Gefühlen die Blockstelle auf. Den Weg dorthin kannte ich, vom Bahnhofshotel war man zu Fuß in sieben Minuten dort. Die Tochter des Blockstellenwärters begrüßte mich mit den Worten: „Mein Vater kann leider nicht dabei sein, er ist krank und muss oben das Bett hüten.“ Oben? Ich fragte mich, wo das sein sollte, denn im Obergeschoß war doch nur der Signalraum; Gott allein wusste, wo in dem kleinen Gebäude diese Menschen eigentlich ihre Privatwohnung hatten.
Die Tochter des Blockstellenwärters nahm am Harmonium platz. Sie kündigte an, nun etwas von Brahms spielen zu wollen, das für mich klang wie „Utopien und Autopannen“. An die Wand gelehnt wie alte Bretter, hörten wir zu – ach was, nicht einer lehnte an der Wand, wir saßen wie Affenweibchen in Korbsesseln. Außer mir waren versammelt: Ein der Bahn nahestehender Mann, der im selben Hotel wohnte wie ich, etliche Leute, die ich nicht kannte, der Zugschaffner und eine verkohlte Leiche, die ich nach meiner Ankunft in einer Baumkrone herumlungern gesehen hatte und die sich in der Konzertpause als witziger und geistreicher Gesellschafter erweisen sollte. Sie erzählte unter manchem anderen eine Anekdote mit dem Titel „Die Kalabrität des Himmels“, doch erwartungsgemäß habe ich restlos alles vergessen.

(Wird bei Weiterbestehen von Welt und kritischer Infrastruktur bald fortgesetzt.)

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