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Eugen Egners »Gift gibt Kraft«

admin

Unbeschreibliches am Alten Markt (2. Teil)

Es war jedenfalls eine schöne Zeit in der Snack-Bar, ich denke noch heute gern daran. Und diese Zeit verging rasant, im Handumdrehen war es draußen dunkel. Die jungen Leute, zu denen ich nun rechtmäßig gehörte, hatten am Abend noch etwas vor, woran ich, auf Maß und Proportion bedacht, mich jedoch nicht beteiligen wollte. Folglich schieden wir gutgelaunt von einander und verabredeten ein Treffen in naher Zukunft.
Ich begab mich zwecks meiner Heimreise zur Straßenbahn-Station „Alter Markt“, die nun dermaßen in künstlicher Beleuchtung erstrahlte, daß sie ganz unbekannt aussah. Die Worte des Pfarrers kamen mir wieder in den Sinn: „Es ist die Art der Natur, uns zu betrügen.“ Unter dem mit großen Neonschriftzügen gekrönten Haltestellendach, das von fünf in einer Reihe stehenden stalaktitenförmigen Säulen getragen wurde, war ich der einzige Wartende. Um mir die Zeit zu vertreiben, schlenderte ich zu dem kreisrunden Pavillon, der statt einer sechsten Säule am südlichen Ende des Daches stand. Dieser Pavillon enthielt einen kleinen, noch geöffneten Tabakladen. Selbst einem Nichtraucher wie mir tat sich beim Blick durch die Schaufensterscheiben eine faszinierende Welt auf, und das um so mehr an diesem Abend, da, wie ich frappiert erkennen mußte, in dem engen Raum, inmitten all der so verlockend anzusehenden Genußartikel, eine für menschliche Begriffe ganz ungeheuerliche Szene stattfand. Ich kann sie leider nicht beschreiben, weil ich nach kaum drei Sekunden ohnmächtig wurde und seit dem Erwachen von einer Amnesie davor beschützt werde, Schaden an meiner Seele zu nehmen.

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