Eugen Egners »Gift gibt Kraft«
Das Netz der bösen schwarzen Fledermaus (2. Teil)
Die Filmleute fanden das alles entschieden zu intellektuell, sie interessierten sich viel mehr für meinen legendären Kleiderschrank, den ich ihnen dann im Freien als Naturphänomen vorführte. Auffällig war schon, dass dieses sehr große Möbelstück außerhalb des Hauses stand, doch noch viel seltsamer mutete an, was ihm nachgesagt wurde. Es hieß, infolge einer (vermutlich niedergangsbedingten) Deformation der Naturgesetze verdoppelten sich alle in dem Schrank aufbewahrten Kleidungsstücke über Nacht. Ich öffnete die Türen, zog Schubfächer heraus und klappte auch irgendetwas schräg Ausladendes auf. Nicht das Geringste deutete darauf hin, dass die Kleidungsstücke in diesem Schrank dazu neigten, sich zu verdoppeln. Es war mir zudem unmöglich, einen Beweis dafür zu erbringen, dass so etwas je stattgefunden hatte. Deshalb wurde die Arbeit enttäuscht abgebrochen, und die Filmleute beschlossen, etwas ganz anderes zu dokumentieren. Von meinem persönlichen Niedergang wollten sie nicht mehr das mindeste wissen. Nachdem die technische Ausrüstung wieder eingepackt war, machten wir uns gemeinsam zu Fuß auf, um in der Nähe einen neuen Drehort zu suchen. Mein Niedergang ließ mir viel Zeit für Privates, und ich ging einfach mit. „Vielleicht gibt es hier irgendwo etwas halbwegs Interessantes“, meinte der Regisseur ohne Rücksicht auf mich, „die Gegend ist ja weitläufig.“
(Fortsetzung folgt.)