Eugen Egners »Gift gibt Kraft«
Das Netz der bösen schwarzen Fledermaus (3. Teil)
Es war ein sonniger, nicht zu warmer Sommernachmittag, und niemand dachte mehr daran, dass in den Nachrichten gemeldet worden war, das Netz der bösen schwarzen Fledermaus überzöge die ganze Stadt. Die Mitglieder des Filmteams zu zählen und im einzelnen zu erfassen, vermochte ich nicht. Jedenfalls spielte niemand von ihnen Dudelsack. Dudelsäcke gehören für gewöhnlich nicht zur Ausrüstung von Filmteams, es sei denn im Rahmen außertariflich erbrachter Leistungen. Auf unserem ungewissen Weg passierten wir ein eingezäuntes, von hohen alten Bäumen bestandenes Grundstück, das ich nicht kannte. Das solide Gartentor zwischen den gemauerten Pfosten war halb geöffnet. Weil ich von allen in der Gruppe am dichtesten daran vorbeiging, sah ich neugierig hinein. Mein Blick traf auf eine Gestalt, die soeben hinter dem linken Torpfosten hervorkam. Ich wollte aufschreien, erstarrte jedoch im selben Moment vor Schreck. Ein großer, pelziger Affe, äußerlich eine unwahrscheinliche Mischung aus Gorilla und Gibbon, stand aufgerichtet vor uns, halslos, mit grimmigem Maul und schwarz umrandeten Augen. Wir wichen zurück. Keiner von uns wußte, was zu tun war, Todesangst erfüllte alle. Im Nu erhob sich die Bestie in die Luft, so dass sie wie eine monströse Eule oder Fledermaus drohend über uns schwebte. Dann stürzte sie auf den Regisseur herab. Oder auf den Kameramann. So genau konnte ich das im kopflosen Fortrennen nicht erkennen.