Eugen Egners »Gift gibt Kraft«
Helferin in der Not (3. Teil)
In seinen Händen hielt das Kind einen dicken, langen Stock, mit dem es sogleich ganz entschlossen auf die bedrohlichen Gestalten einschlug. Mit einem Sprung war ich bei der Tür und gelangte ins Freie. Froh, entkommen zu sein, machte ich mich auf den Weg, den die Geschäftsführerin mir beschrieben hatte. An der nächsten Kreuzung kam ich jedoch nicht weiter. Der gesamte Block auf der anderen Straßenseite war von Sicherheitskräften abgesperrt worden. Einer der Polizisten sprach von einem „ungelenken Weltuntergang“, der sich drüben „abspiele“. Es war nicht möglich, den Abfallbehälter zu erreichen. Ich warf daher das in Alufolie Gewickelte auf den Müll am Straßenrand. Als ich mich umwandte und zum Verlag zurückgehen wollte, stand das Mädchen mit dem Stock vor mir. Es sah mir direkt in die Augen, und die Botschaft ihres strengen Blicks war zweifellos: „Heb das wieder auf.“
Ich begriff, dass ich die Sache auftragsgemäß zu Ende bringen musste. „Gut“, sagte ich, „ich tu’s. Aber nur, wenn du mitkommst.“
Das Mädchen nickte ernst. Daraufhin hob ich das nun noch wärmere Paket auf. Mit einer leichten Kopfbewegung gab das Kind das Zeichen zum Aufbruch, und wir überquerten gemeinsam die Straße. Ich war zuversichtlich, dass uns der Stock meiner Begleiterin einen Weg durch jede Art von Weltuntergang bahnen konnte.