Zum Inhalt springen
Titanic Shop

Hefte, Bücher, Geschenkideen: direkt zum TITANIC-Shop.

Eugen Egners »Gift gibt Kraft«

admin

Ohne Überschrift gültig

Ich war mit einem irren alten Radiobastler verabredet, der etwas für mich erfinden sollte. „Gut, dass Sie da sind“, sagte er, als ich ihn in seiner Werkstatt besuchte. „Die Erfindung für Sie ist fertig. Ich werde sie Ihnen demonstrieren.“
Ich war äußerst gespannt, was er mir präsentieren würde. Er zog den Vorhang vor dem Durchgang zum Hinterzimmer ein wenig zur Seite und zischte: „Passen Sie auf!“ Soeben betrat jemand durch eine rückwärtige Tür das Zimmer. Wir beobachteten, wie die Person, die uns anscheinend nicht bemerkte, sich gleich neben der Tür auf einer Liege niederließ. Dann stülpte sie ein dunkles Gehäuse, das sie wer weiß woher nahm, über ihren Kopf und begann, verzweifelt zu lamentieren. Offenbar glaubte sie, allein zu sein. Wir vermieden jeden Laut. Sehr erstaunt registrierte ich sodann, dass die ihr Schicksal be- und anklagende Person auf der Liege exakt die Worte und Wendungen gebrauchte, die ich immer bei meinen eigenen Jeremiaden auszustoßen pflegte. Fast glaubte ich, mich selbst zu hören. Was sollte ich mit einer Verdopplung meiner selbst?
„Sind Sie zufrieden?“ flüsterte der Radiobastler. Nein, ich war es nicht. „Bringen Sie mir lieber eine Technik zum Verlassen meines Körpers bei“, verlangte ich.
Der irre alte Radiobastler erwiderte: „Es wäre besser, wenn das die Wissenschaftler täten, die in dem Geheimlabor hinter diesem Bild leben.“
Er klopfte an ein großes, finsteres Bild an der Wand hinter mir, und heraus kamen die Wissenschaftler. Im Nebenzimmer klagte und jammerte währenddessen noch immer mein Doppelgänger. Die Wissenschafter sprachen anschaulich davon, dass alles, die ganze Welt und angebliche Realität, nur schnöder Schwindel sei. Später konnte ich mich von der Richtigkeit dieser These überzeugen.


Mehr aus dieser Rubrik