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Briefe an die Leser | Februar 2026

admin

Sie, Dr. Christopher Spering,

sind Leiter der Sektion Prävention der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie und haben Tipps für den Winter gegeben. Bei Glatteis solle man »wie ein Pinguin« laufen, beim Stürzen »abrollen« und, wenn alles zu spät ist und man am Boden liege, sich als Erstes fragen: »Bin ich überhaupt voll da? Macht es Sinn, aufzustehen? Kann ich aufstehen?« Und wissen Sie was? Genauso machen wir es praktisch jeden Tag, ganz ohne Pinguin-Gang, Sturz und Rückenschmerzen, nämlich direkt nach dem Aufwachen!

Dreht sich vorbildlich noch mal um: Titanic

Was habt Ihr da nur getrieben, unbekanntes Pärchen?

Ihr seid »nach Sex bei Tempo 140« wegen eines »Verkehrsverstoßes« auf der A1 gestoppt worden, und wir haben da noch ein paar Fragen, die der Spiegel-Artikel leider unbeantwortet lässt: Wie misst man die Geschwindigkeit von Sex? Warum wurdet Ihr erst nach dem Sex angehalten? Und: Habt Ihr wenigstens jeweils auf die roten Ampeln Eures Partners geachtet?

Fragt rasend erig interessiert: Titanic

Freundschaft, Matthias Miersch!

Als Fraktionschef der SPD sind Sie, unbelastet vom Regierungsamt, in dieser Saison der einzige echte Gegenspieler für Merz und seine Gesell/innen von der Union. Nachdem der ob sämtlicher Umfragen nervöse Kanzler am Dreikönigstag in einem Brief an die Koalitionsabgeordneten wieder einmal konservative Wirtschaftsreformen aka Lohnkürzungen und Sozialstaatsabbau eingefordert hatte, reagierten Sie, dem RND zufolge, ohne mit der Wimper zu zucken, »distanziert«. In einem schlagfertigen Konter mahnten Sie vielmehr »einen Fokus auf die Sozialpolitik« an und gaben zurück: »Wer Wachstum will, muss Arbeit schützen, Innovationen sowie Investitionen fördern und soziale Sicherheit stärken.«

Ein bisschen Venceremos, Genosse Miersch! Das gefällt uns nicht übel, wie Sie hier den Hundesalonkommunisten für uns kleine Leute geben, hoffentlich den Rest der Legislaturperiode über. Tragen Sie distanziert die Fackel weiter! Aber bedenken Sie: Am Ende werden Ihre Sozialdemokrat/innen in der Regierung diesen radikalen Weg nicht mitgehen können.

Nichtsdestoweniger voller halbherziger Hoffnung: Titanic

Ganz erschrocken, Jens Spahn (CDU),

lesen wir im Spiegel von der Schüchternheit, die Sie als »sonst so selbstsicheren Fraktionschef« und »großes Politiktalent« derzeit plagt. Der Druck der vergangenen Monate, heißt es, habe deutliche Spuren bei Ihnen hinterlassen. Und weiter: »Seine Leute bescheinigen ihm eine ungewohnte Verletzlichkeit, die sie so nicht kannten. In Sitzungen fragt er jetzt manchmal fast unsicher nach, ob das okay sei, wie er das gerade gesagt habe.«

Mensch, Spahn! Das soll der Mann sein, der den deutschen Staat im Alleingang mal eben um 3,5 Milliarden Euro erleichtert hat? Der prinzipientreue Christdemokrat, der keinem Sozialhilfeempfänger auch nur den Dreck unter den Nägeln gönnt?

Bleibt nur zu hoffen, dass wir Ihnen zumindest ein paar Zweifel nehmen können, wenn wir versichern: Nein, es ist eigentlich nie okay, wie Sie das sagen. Und was Sie so sagen, erst recht nicht.

Aufmunternd: Titanic

Wofür, deutsche Medien,

seid Ihr eigentlich nütze, wenn Ihr nicht mal mehr die einfachsten Überschriften hinkriegt? Seit fast vierzig Jahren wird der Schauspieler Kiefer Sutherland regelmäßig festgenommen, meist wegen Alkohol am Steuer, zuletzt wegen eines Angriffs auf den Chauffeur eines Fahrdienstes, und Ihr habt es bis heute nicht geschafft, eine knackige Schlagzeile über den verknackten Mimen zu produzieren, in der das Wort »Kiefer-Sperre« vorkommt.

Warum die Zurückhaltung? Sutherland war Agent Jack Bauer in »24«, den stört es bestimmt nicht, wenn ein Häftling mit grausamen Wortspielen gefoltert wird!

Meint Titanic

Hola, Juanma Moreno!

Sie sind Ministerpräsident von Andalusien und präsentierten sich am Fest der Heiligen Drei Könige als Balthasar verkleidet: mit Turban, Krone und schwarz geschminktem Gesicht.

Was für ein Eklat! Dass Sie sich öffentlich mit Blackface zeigen, beweist, dass Sie wie alle anderen spanischen Konservativen komplett in der Vergangenheit festhängen.

Man stelle sich vor, der Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes würde sich der Lächerlichkeit preisgeben, indem er sich kostümiert und das Gesicht dunkel … Na gut, möglicherweise ist das schon vorgekommen, als Söder sich vor circa zehn Jahren als Mahatma Gandhi verkleidet hat.

Aber sonst ist die Bundesrepublik da natürlich viel weiter: Die TITANIC-Redaktion fand Söders Verhalten selbstverständlich schon damals unmöglich und wäre nie auf die Idee gekommen, sich in den zehner Jahren des 21. Jahrhunderts für einen schnellen Gag noch Farbe ins … Okay, auch das ist ein schlechtes Beispiel. Aber worauf wir hinauswollen … Ach, lassen Sie uns doch in Ruhe, Sie konservativer Arsch!

Hasta luego (nicht!): Titanic

Was soll das, Herbert Grönemeyer?

Im ARD-Musiktalk »Berlin Sounds Inside« verrieten Sie, mehrere Einladungen von Angela Merkel ins Kanzleramt ausgeschlagen zu haben, und äußerten Kritik an der aus Ihrer Sicht fehlenden Kommunikationsbereitschaft der früheren Regierungschefin: »Frau Merkel hat 16 Jahre nie kommuniziert, außer dass sie einmal den Satz gesagt hat: ›Wir schaffen das.‹ Danach wurde nicht mehr kommuniziert, und das kann man mit einer Gesellschaft nicht machen.«

Auf die Frage, ob Merkels Maulfaulheit auch der Grund für Ihre Nichtbesuche bei ihr gewesen sei, antworteten Sie: »Ja. Ich wollte mich mit der nicht unterhalten.« So sehr wir es auch begrüßen, wenn Sie Ihren Mund nicht aufmachen: Haben Sie schon mal etwas von nonverbaler Kommunikation gehört (vgl. S. 24/25)? Und durch Ihr Fernbleiben von Merkels Amtsstube hätten Sie uns fast um den hübschen Gedanken gebracht, wie Sie ihr schweigend gegenübersitzen und sie denkt: »Womit hab ich das verdient, dass der mich so blöde angrient?«

Wollte es nur mal gesagt haben: Titanic

Da, EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas,

müssen Sie aber mal früher aufstehen: Nach einem Termin in Berlin, bei dem Sie sowohl Verteidigungsminister Boris Pistorius als auch den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses Armin Laschet getroffen hatten, posteten Sie in den Sozialen Medien ein Foto von sich und Laschet im Gespräch, markierten aber Pistorius’ Account.

Gähn, gähn und doppelgähn, Kallas! Den Gag, Laschet und Pistorius zu verwechseln, hat ja mittlerweile wirklich jede/r gemacht! Was kommt als Nächstes? Erzählen Sie von der Leyen einen »Fritzchen geht zum Arzt«-Witz? Fragen Sie Meloni, ob sie einen Kaffee to go wolle, sprechen es aber »Kaffee Togo« aus? Bitten Sie Macron, an Ihrem Finger zu ziehen?

Oder besteht noch Hoffnung, was Ihren Sinn für Komik angeht? Immerhin löschten Sie Ihren Laschet-Post schnell wieder! Vielleicht haben Sie ja selbst gemerkt, dass die Idee älter ist als die EGKS?

Kann Ihnen gern mal einen guten Witz erzählen: Titanic

Sie, Finanzprofessor Co-Pierre Georg,

sehen im Interview mit dem Spiegel »drei Sollbruchstellen« im Kryptomarkt.

Wir kennen uns zwar mit Finanzspekulationen nur leidlich aus, aber wenn wir es richtig sehen, bestehen alle von Ihnen identifizierten »Sollbruchstellen« daraus, dass Spekulationen nicht ausreichend gedeckt sind und deshalb eines Tages eine Blase platzen könnte. Somit wären das unserem Verständnis nach keine Sollbruch-, sondern Schwachstellen, denn das Platzen der Blase würde das Konstrukt ja nicht retten, sondern völlig zerstören.

Also sind Sie entweder tatsächlich der Meinung, dass bei der Entwicklung der Macker-»Währung« Bitcoin absichtlich Mängel eingebaut wurden, durch die sie bei einer Belastung komplett in sich zerfiele, was wiederum das Ganze doch irgendwie retten würde – oder Sie reden genau so großen Unfug, wie wir von einem Finanzprofessor erwarten:

Ihre Kirchenmäuse von Titanic

Du, liebe Martina,

hast doch gerade erst bei uns angefangen, und jetzt hörst Du schon wieder auf? Tom erinnert sich, als wäre es gestern gewesen: Januar 1997, gerade war Klonschaf Dolly entstanden, die ganze Welt rockte zu »Wannabe« von den Spice Girls ab und Du standst plötzlich vor der Redaktionstür, unter der dichte Schwaden hervorwaberten (im Herrenclub in der Brönnerstraße herrschte noch Rauchpflicht). Wir anderen kennen diese Geschichten allerdings nur vom Hörensagen, wir schmierten zu der Zeit noch Senf unter die Klinke der Schultoilette.

Die meisten von uns lernten Dich erst im 21. Jahrhundert kennen, als Du den Laden schon fest im Griff hattest. Apropos: Dein Gag mit der »Kündigung« ist echt nicht mehr lustig! Toms Gesicht ist vom Weinen so verquollen, dass er sich nicht mehr per Face-ID in seinen Computer einloggen kann, und niemand weiß, was wir mit den schimmelnden Tupperdosen im Kühlschrank machen sollen.

Außerdem brauchen wir unbedingt für einen Fotoroman eine sich einkotende russische Oligarchin, die in der Schirn randaliert! Und hattest Du nicht versprochen, den Fundus neu zu organisieren? Was ist damit, bitte?

Was machst Du denn jetzt die ganze Zeit? Du kannst doch nicht auf ewig Deinen Leidenschaften nachgehen und nur noch durch England tingeln, Billy Bragg und Keanu Reeves daten, im Bornheimer Ratskeller oder im Landbierparadies Nürnberg rumhängen, Hochhaussprengungen beiwohnen, den Scorpions hinterherreisen, von Whiskymesse zu Whiskymesse stolpern (sorry) und im FSV-Stadion das Maskottchen der gegnerischen Mannschaft mit Bengalos bewerfen.

Komm bitte zurück, selbst wenn Du dann das opulente Geschenk von Herausgeberschaft und Geschäftsführung zurückgeben musst! Und wenn Du Deinen Witz weiter durchziehen solltest, dann schau wenigstens mal im Club Voltaire oder zum Schöfferhofer-Grapefruit-Saufen in der Redaktion vorbei.

Leg Dir also Deinen Wurstschal um, schwing Dich bitte sobald wie möglich in einen Deiner Fake-Mini-Cooper und fahr zu Deiner Dich innig liebenden Titanic

Hello, USA-Präsident Trump!

Irgendwie ja erfrischend ehrlich, wie unverblümt Sie verkünden, dass es bei Nicolás Maduros Entführung vor allem darum geht, an venezolanisches Öl zu kommen.

Aber haben Sie mal an die vielen Leute gedacht, die, wenn man über US-amerikanische Militäraktionen redet, stets anmerken, dass es »in Wahrheit nur ums Öl« gehe, und sich dabei sehr schlau fühlen? Was sollen die denn jetzt machen, wenn Sie einfach so Ihre niederen Motive herausposaunen und sie nichts mehr zu entlarven haben?

Haben Sie keine Angst vor den Konsequenzen? Was ist, wenn Ihre Gegner/innen aus Verzweiflung auf die Idee kommen, wieder mit der »Lange Krawatte, blöde Frisur, kleine Hände«-Kritik anzufangen? Können Sie das politisch wirklich riskieren?

Fragt Titanic

Puh, Reporter Patrick Enssle!

Für das Y-Kollektiv hast Du zusammen mit Deinem Kollegen Samuel Häde drei deutsche Abiturienten begleitet, die sich ein ganz besonderes Work and Travel nach dem Abi gönnen: Sie gehen freiwillig in der Ukraine an die Front. Vor der Kamera erzählten sie freimütig, dass man im Krieg Erfahrungen sammle, die nicht mit gewöhnlichen Adrenalin-Kicks wie Fallschirmspringen oder Klettern vergleichbar seien. Aus zwei Metern Entfernung auf den Feind zu schießen, sei einfach etwas anderes. Mitleid hätten sie dabei aber nicht.

Bis hierhin die durchschnittliche Kriegsberichterstattung im ÖRR. Aufgemerkt haben wir allerdings, als Du, Enssle, erklärtest, wie beeindruckend es sei, dass die jungen Männer sich für die europäischen Werte einsetzten.

Moment: Du meinst, empathielos, ohne Not und mit offensichtlich sadistischer Lust Leute umzunieten sind die europäischen Werte?

Hätte es nicht besser ausdrücken können:

Deine alte Berufszynikerin Titanic

Während wir, Metzler-Verlag,

noch Deinen »Aufstieg bei Platon« feiern, arbeitest Du bestimmt schon an weiteren Sammelbänden für fußballaffine Fans des klassischen Altertums und wirst uns bald mit den Meisterwerken »Anpfiff bei Diogenes«, »Abseits in der Stoa« und natürlich »Blutgrätsche bei Plutarch« begeistern.

Hoffen jedenfalls: Deine Epikureer/innen von Titanic

Jaul, Hundeflüsterer Martin Rütter!

Sie gaben das Ende Ihrer Bühnenkarriere bekannt, weil Sie nicht das Schicksal mancher Kollegen teilen wollten: »Gottschalk und Raab können es nicht mehr, so will ich nicht enden.«

Ja, das war schon echt peinlich, Rütter, was Gottschalk da nach seiner Krebsdiagnose und unter Medikamenteneinfluss abgeliefert hat. Und haben Sie eigentlich mitbekommen, wie Papst Franziskus seine Bühnenkarriere letztes Jahr beendet hat? Einfach cringe!

Gibt Ihnen zum Abschied Pfötchen: Titanic

Sie nun aber, Christian Lindner,

waren doch mal ein Kämpfer für die Freiheit! Aber jetzt sagen Sie dem Sender N-tv, seit der Geburt Ihrer Tochter habe sich »alles« verändert. Ihnen fielen nun andere Dinge auf, zum Beispiel: »Wie schnell manche mit dem Auto am Spielplatz vorbeifahren.« Lindner! Wissen Sie nicht, wie gefährlich das ist? Es beginnt nie mit Fahrverboten! Es fängt immer mit scheinbar harmlosen Worten an! Aber dann werden aus Worten Taten. Sagen Sie bitte nicht, Sie hätten von nichts gewusst, wenn morgen neben dem Spielplatz eine 30er-Zone eingeführt wird und schon übermorgen ein staatlich verordneter Veggieday.

Freiheit! Titanic

Drehschluss mit lustig, Regisseur Carl Rinsch!

Sie sind wegen Betruges und Geldwäsche verurteilt worden. Cut und Rückblende: 2018 verkauften Sie Netflix eine Serie, für die der Streaming-Anbieter 55 Millionen US-Dollar an Ihre Produktionsfirma überwies. Und da dachten Sie sich: »Action!« und investierten große Teile des Geldes statt in öde Filmereien in sich selbst: Sie kauften fünf Rolls-Royce, einen Ferrari sowie Luxusuhren, -mode und -bettwäsche.

Als Sie diese Käufe im Kasten hatten, steckten Sie weitere Netflix-Millionen in Spekulationen mit Kryptowährungen. Die Gewinne streamten Sie auf Ihr Privatkonto.

Da Sie leider beim ganzen Geldverjubeln vergaßen, jemals eine Serie zu drehen, klagte Netflix und bekam recht. Nun fragen wir uns: Darf man Sie jetzt eigentlich Serientäter nennen?

Vielleicht hätten Sie zur Verteidigung behaupten sollen, Sie wollten bloß die ideale Vorlage für eine dieser unzähligen Netflix-True-Crime-Serien liefern – Arbeitstitel: »Take the Money and Rinsch«.

Verkauft Ihnen diese Idee für läppische 54 Millionen: Titanic

Pump up the jam, Herzogin Meghan!

Schätzungsweise 31 Millionen US-Dollar sollen Sie im vergangenen Jahr eingenommen haben – allein durch den Verkauf Ihrer Marmelade, die Sie leider nicht »Marklelade« genannt haben. Diese Summe wurde dabei gar nicht von Ihnen persönlich veröffentlicht, sind Sie doch notorisch darauf bedacht, nichts über Ihre Geschäfte preiszugeben. Doch durch ein Leak ist die Zahl nun nach außen gedrungen.

Ein Tipp, Your Highness: Die Gläser immer nach dem Befüllen sofort fest zudrehen, auf den Kopf stellen und aufpassen, dass nichts ausläuft!

Löffelt eh nur Gelée royale: Titanic

A Gschmarri, Söder,

ist mal wieder Ihr Geplärre zum Auftakt der CSU-Winterklausur im Kloster Seeon gewesen, das Gesundheitssystem müsse »vom Kopf auf die Füße gestellt werden«. Denn bei einem drohenden Kollaps gehören, genau umgekehrt, die Beine hochgelegt, damit der Kopf mehr Blut bekommt.

Rät Ihnen dringend dazu, 1.) Ihren Erste-Hilfe-Kurs aufzufrischen und 2.) sich öfter mal hinzulegen und die Beine ca. 30 Zentimeter über Herzhöhe anzuheben: Titanic

Sie, Roger Willemsen,

sind ja nun am 7. Februar zehn Jahre tot. Aus diesem Anlass kam online ein Zitat von Ihnen angespült, in dem Sie sich gewichtige Gedanken über die Demokratie machen und die Erfahrungen reflektieren, die Sie während Ihrer zwölf Monate umspannenden Besuche im deutschen Bundestag gemacht haben: »Die Vorstellung von der Agora war, dass die gesellschaftlichen Gruppierungen im Parlament auf dem Weg des rhetorischen Kampfes zu Entscheidungen und dann zu lebensverändernden Maßnahmen kommen sollten. Davon habe ich wenig gefunden. Dazu kommt, dass Demokratie nicht Herrschaft des Volkes ist, sondern Schutz der Minderheit unter dem Protektorat der Mehrheit.«

»Protektorat der Mehrheit«, was für ein kurioser Ausdruck. Ob Ihnen, Willemsen, bei Ihrer Kritik der demokratischen Praxis nicht möglicherweise etwas ganz anderes, mulmig Diktatorisches durchs Assoziationszentrum geschwirrt ist? Wir jedenfalls dachten sofort an die von der nationalsozialistischen deutschen Minderheit besetzte Tschechoslowakei, das »Protektorat Böhmen und Mehrheit«, äh: »Mähren«. Wie? Der Anklang war gewollt? Das war eben die ganz feine dialektische Klinge eines multipel talentierten Intellektuellen, die vor zehn Jahren in der kritischen Analyse problemlos verstanden wurde und heute bloß von den Allerschlauesten noch dechiffriert werden kann?

Dann will nichts gesagt haben

Ihre quicklebendige Titanic

Schon interessant, Hans-Ulrich Jörges,

was Ihnen im Zusammenhang mit dem Sparkasseneinbruch in Gelsenkirchen durchs Hirn rumpelte: Wie könne es sein, fragten Sie in einem Welt-Video, dass in der »Armutsstadt« Gelsenkirchen 100 Millionen Euro in Schließfächern gebunkert waren? Und deshalb vermuteten Sie auch das Naheliegende, nämlich dass jede Menge Bürgergeldempfänger/innen ihre illegalen Reichtümer dort vor den Behörden versteckt hätten. Das müsse doch mal »näher bekuckt werden«.

Aber haben Sie, Jörges, Ihre Beschuldigung mal zu Ende gedacht? Wem gehören eigentlich die ganzen Luxusyachten auf dem Rhein-Herne-Kanal? Und wer bewohnt die Ferienchalets rund um die Rurtalsperre? Das sind doch bestimmt auch die reichen Armen von Gelsenkirchen-Buer!

Nur mal so ein Gedankenanstoß von Ihrer Titanic

Sie, Philipp Amthor (CDU),

haben bei Lanz Ihren Parteikollegen, Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner, kritisiert, weil dieser am Tag des großen Stromausfalls privat Tennis spielen war statt – ja, was eigentlich? Der Bevölkerung Kerzen vorbeizubringen? Beim Plündern mitzuhelfen? »Er ist damit unter Druck geraten und er wird damit umgehen«, gifteten Sie gönnerhaft.

Aber wissen Sie was, Amthor? Ein Politiker, der ohne Kamerateam ein Stündchen Sport treibt, ist uns allemal lieber als einer, der auf einem Pferdefestival zwischen zwei Rechtsextremen posiert oder sich von der Journaille auf der Pirsch begleiten lässt. Wir für unseren Teil sind jedenfalls froh, wenn der Fernseher zur rechten Zeit schwarz wird, nämlich sobald wieder einmal Ihre Grinsebäckchen auf der Mattscheibe erscheinen.

Lights out: Titanic

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