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Vom Fachmann für Kenner | August 2025

admin

Kommentar, den man in Buchdruckereien selten zu hören bekommt

»Da druckt wohl jemand ein ganzes Buch aus!«

Ronnie Zumbühl

Geständnis

Wie gerne ich hier schriebe:
»Ich leb’ von Luft und Liebe!«
Doch das ist gar nicht wahr:
Ich leb’ auch von Tatar,
von Räucherlachs und Butter,
dem Erbe meiner Mutter,
von lecker Birnenbränden
und drei, vier Dividenden.

Ella Carina Werner

Jeu, set et match

Dass der Nachname des französischen Tennisprofis Arthur Rinderknech ohne abschließendes t geschrieben wird, bereitet vielen Deutschlehrern Verdruss. Dabei ließe sich durch eine kleine Namensänderung Abhilfe schaffen: Das t aus dem Vornamen hinten an den Nachnamen, die restlichen Buchstaben etwas umgruppieren, und schon lässt sich der Spieler anfeuern mit: Hurra Rinderknecht!

Henning Christiansen

Inflationsausgleich

Man hört ja meist nur Schlechtes vom Kapitalismus: brutale Ausbeutung, Pauperisierung, Klimaschäden, zu viele Shampoos, Langeweile, Faschismus. Die positiven Dinge, die er hervorbringt, vergisst man aber viel zu schnell. Zum Beispiel die fast bundesweite Einführung der Selbstscan-»Kassen«. Ein System, das die Arbeiter entlastet und auf Vertrauen zwischen Unternehmen und Kunde setzt! Die Sorge ist natürlich groß, dass nur jeder zweite Artikel gescannt wird und der Rest einfach unbezahlt im Einkaufsbeutel verschwindet. Und es geht ja auch schnell! Zwei Tüten Milch hier (EUR 1,69), ein Kilo Passionsfrucht da (EUR 14,39), dann der gute Edelnuss-Mix von Seeberger (EUR 12,99). Köstlich! Natürlich darf ein gutes Filetsteak (Bio, EUR 24,99) nicht fehlen. Genauso wenig wie Markenkondome (EUR 23,99/36 St.) oder der gute Cheddar von der Käsetheke (EUR 4,00/100g). Und es fällt ja auch nicht auf, wenn man ab und an aus Versehen vorbeiscannt! Da spart man sich schon mal gut 20 Prozent eines jeden Einkaufs. Das läppert sich. Aber nein, Millionen von Bürger/innen ziehen täglich brav ihre Barcodes über die Laser und bescheren den Unternehmen Gewinne. Da reift der Gedanke, dass der Mensch gar nicht so verkommen ist, wie man immer meint. Ich für meinen Teil will mir keine Welt ohne die Selbstscanner mehr denken. Allein finanziell wäre das mein Ruin.

Sebastian Maschuw

Fernreisewarnung

Ich bin froh, dass ich noch nie in Peru war, und hoffe inständig, auch ihr seid dem Land in letzter Zeit ferngeblieben und haltet weiterhin Abstand. Irgendjemand von uns hätte bei der Ankunft am Flughafen gewiss einen Bombenalarm ausgelöst, welcher in der Hauptstadt peinlicherweise einen Stromausfall verursacht hätte, in dessen Folge Häuser zusammengebrochen, Wasserleitungen geplatzt und unglaubliche Schäden an Sachen und Menschen entstanden wären – eine richtige Limakatastrophe also, die wir in einer gemeinsamen Kraftanstrengung gottlob abwenden können!

Mark-Stefan Tietze

Guter Name

für einen französischen Hund: Luchien.

Tina Manske

Gegessen wird zu Hause

Dass die regionale Gastroführerreihe »… geht aus« mancherorts wie Blei in den Bahnhofsbuchhandlungen liegen bleibt, ist kein Wunder. Als kulinarisches Empfehlungsschreiben macht die Ausgabe »Essen geht aus« schließlich nicht viel her.

Daniel Sibbe

Oma – wer sonst?!

Als ich meine Großmutter besuchte, war sie dabei, einen Korb mit Handarbeitsutensilien zu sortieren. Sie erklärte, dass es sich um den »Nachlass« einer kürzlich Verstorbenen aus ihrer Nähgruppe handle. Es sei mittlerweile Usus, dass Wolle, Garn, Häkelnadeln und andere Materialien auf die Überlebenden der Gruppe übergehen, die eben jenes dann verwenden können. Bevor wegen Tod, Vergänglichkeit und Verlust betrübte Stimmung aufkommen konnte, ergänzte Oma augenzwinkernd: »Wir nennen es ›Reste stricken‹.«

Thorsten Mausehund

Die Richter-Brille

Willst du dir auf einer längeren Zugfahrt den Blick aus dem Fenster verschönern, zieh eine Lesebrille auf, bevor du rausschaust. Dann sieht jeder Acker und noch der ödeste Baumarkt aus wie von Gerhard Richter gemalt, leicht unscharf, aber künstlerisch wertvoll.

Steffen Brück

Kompromiss nach Rechts

Das Deutschlandticket in den Grenzen von 1942.

Martin Weidauer

Endoscops

Großer Streit im Hof: Die einen Kinder wollen Verbrechensbekämpfung spielen, die anderen Arztpraxis. Am Ende einigt man sich auf Räuber- und Gendarmspiegelung.

Valentin Witt

Milde Albträume

Alle Welt hat schlimme Albträume. Die Menschen werden von Monstern mit Kettensägen verfolgt, von Hochhäusern geschubst, fallen dann unendlich lang oder, am schlimmsten, werden auf eine Parkbank gesetzt und da nie, nie, nie abgeholt. Solche Sachen höre ich mir ständig an. Ich selbst träume normalerweise nie, jedenfalls nicht so, dass ich mich an irgendwas erinnern könnte, und wenn, sind diese Träume eher mild-verworren. Heute hatte ich allerdings einen milden Albtraum: Die Kaffeemaschine gab ihren Kaffee nicht aus den beiden Auslaufröhrchen ab, sondern nur aus einem. Das Schlimme: Aus dem einen Auslaufröhrchen kam nicht die doppelte Menge Kaffee, sondern die Menge, die immer aus einem Röhrchen kommt. Wo blieb der Rest? Sagen Sie’s nicht meinem Psycho-Heini! Der macht garantiert wieder eine große Sache draus, versucht, mich in Richtung Kastrationsangst oder Prostatakompensation zu schieben oder so was. Am Ende will der noch, dass ich die Kaffeemaschine sauber mache.

Ludger Fischer

Der modische Linguist

Ich empfinde großes Unwohlsein, egal an welches der beiden ich denke, aber der Sprachkundler in mir legt dennoch großen Wert auf den feinen, aber entscheidenden Unterschied, ob man sich in einen Anzug zwingt oder zwängt.

Theobald Fuchs

Lässig abhängen

Als passionierter Raucher ist mein einziges Trainingsgerät die Glimmzugstange.

Andreas Blüthner

Memento Mhmmmori

Mein Kollege hat sich vor zwei Tagen einen Toast gemacht und ihn dann im Toaster vergessen. Einige Kollegen regten sich darüber auf, mich hingegen störte das nicht, im Gegenteil: Ich sah den Toast als Mahn-Mahl für Vergesslichkeit.

Karl Franz

Statt satt

Jürgen Rüttgers (März 2000): »Kinder statt Inder«. Bochum-Tourismus (Juli 2025): »Kinderstadt Bochum«.

Norbert Voßiek

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