Vom Fachmann für Kenner | Juli 2025
Olympischer Gedanke
Das inoffizielle Motto des Internationalen Hot-Dog-Wettessens, das seit 1916 am Independence Day in New York ausgetragen wird, lautet bekanntlich: »Dabeißen ist alles.«
Jürgen Miedl
Bedenke dies, Mensch!
Wenn du mit dem Zeigefinger auf einen anderen Menschen zeigst, zeigen drei andere Finger etwas sinnlos in deine Handinnenfläche hinein.
Mark-Stefan Tietze
Das nächste Mal mit dem Zug?
Auf platzregennasser Autobahn am Lenkrad. Ganz allein. Erst ein Bandscheibenvorfall, dann ein Scheibenwischerausfall. Sprachlich interessant, aber Sekunden nach dem Aufwachen der reine Horror.
Norbert Behr
Ist leider notiert
Dass ich mein Vorhaben, abzunehmen, nicht mehr wirklich ernst nehme, musste ich mir eingestehen, als ich neulich nachts eine Packung Kekse auf dem Buch abstellte, in dem ich jeden Morgen mein Gewicht notiere.
Matze Flink
Augenscheinlich
Nachdem ein Augenarzt ihm trotz seines plötzlich aufgetretenen Doppeltsehens keinen baldigen Termin geben wollte, verabschiedete er sich wütend aus der Ordination mit den mahnenden Worten: »Vergessen Sie das eine nicht: Man sieht sich im Leben immer viermal!«
Ed Hansmanowsky
Vom Fachmann für Fußballkenner
Die Mannschaft habe nicht nur gekämpft, sondern auch gefightet, das Team habe Mentalität gezeigt und das Tor sei zum psychologisch richtigen Zeitpunkt gefallen. Solche Phrasen in Spielanalysen lassen mich als Zuschauer sofort zu folgender TV-Taktik greifen: dem schnellen Umschaltmoment.
Thorsten Mausehund
Das Perlt ab
Neulich meinte ein Freund, der eher zum luxuriösen Lebensstil neigt, dass er jetzt sparsam unterwegs ist. Ich war skeptisch – bis er erklärte, sein Hund habe jetzt eine Barbour-Jacke, damit sie beide dasselbe Wachs verwenden können. Er sprach von einem Synergieeffekt.
David Sowka
Kurzhörspiel aus der Ungeziefer- und Schädlingsbekämpfungsabteilung
»… und den Speck mit Erdnussbutter lege ich dann also daAAAAAAAAH!!«
Miriam Wurster
Alltägliches
Wer kennt ihn nicht: den »Türschwellen-Effekt«? Man steht z. B. in der Küche und verspürt plötzlich den Wunsch, im Wohnzimmer jemanden umzubringen. Dort angekommen, hat man jedoch bereits wieder vergessen, was man wollte. Egal, war wohl nicht so wichtig.
Ronnie Zumbühl
Alte Schule
Vor dem Familienumzug in die größere Wohnung ist natürlich die neue Nachbarschaft zu berücksichtigen, die, anders als die bisherige, zur Fraktion »Zimmerlautstärke« gehört. Da muss man also genau überlegen, wo der pubertierende Sohn sein Zimmer kriegt, damit die laute Musik und das alterstypische Gezeter möglichst bleiben, wo sie entstehen: im väterlichen Arbeitszimmer.
Stefan Gärtner
Bald in einem Kino in Ihrer Nähe direkt neben Vapiano
Maniküre-Franchise »Hands im Glück«.
Sebastian Maschuw
Ganzheitliche Therapie
Meine Physiotherapeutin begegnet den Gegenständen in ihren Praxisräumen offenbar mit derselben Wortwahl wie meinem verspannten Nacken. Über der Klospülung in ihrer Praxistoilette fand ich einen Zettel mit ihrer Handschrift: »Bitte kräftig und ergiebig drücken.«
Paul Amsel
Sternstunden des Smalltalks
Beim Wiedersehen mit meiner Tante erkundigte ich mich nach meinem Cousin. »Wie geht es Stefan? Wohnt er noch in Hodenhagen?« – »Nein, der wohnt doch in Eiterhagen.« – »Ach!«
Leo Riegel
Saturday Night Life
Das bestuhlte Konzert einer Rockband, die ihre besten Jahre schon hinter sich hat und nur noch ein Viertel der verfügbaren Tickets verkaufen konnte, hat auch sein Gutes. Zum Beispiel kann man unabhängig von der offiziellen Pause aufstehen, über ein paar vereinzelte Beinpaare steigen und entspannt zu den Toiletten schlurfen. Bei den Pissoirs hat man die freie Auswahl, darf beim Händewaschen Gründlichkeit statt Eile walten lassen und kann an der Bar in Ruhe überlegen, ob man ein potentiell harntreibendes Pils oder doch lieber eine alkoholfreie Weinschorle trinken möchte. Soweit zu den vielen Vorzügen einer spärlichen Besucherauslastung, die nur noch davon getoppt werden, dass die Band aus altersmilder Rücksichtnahme mit dem Spielen aufhört, wenn man den Saal verlässt, und erst bei Vollzähligkeit weitermacht. So kann man die Blase mit gutem Gewissen auch mal prophylaktisch entleeren gehen, ohne etwas zu verpassen. Dass das Programm bei all den Unterbrechungen auch mal über die gewohnte Ü50-Schlafenszeit hinausgeht, stört dabei nicht weiter. Ich meine, hey, wir sprechen hier schließlich immer noch von Rock’n’Roll, oder?
Patric Hemgesberg
Kein Bedarf dank Eigenbedarf
Dass ein Viertel zu Ende gentrifiziert ist, merkt man auch daran, dass in den öffentlichen Bücherschränken nur noch Bände zum Verwaltungsrecht und Thriller von Sebastian Fitzek stehen.
Fabian Lichter
Travel Hack
Meine Frau räumt vor dem Verreisen immer die Wohnung penibel auf. Sie sagt, es stresse sie, wenn nach einem schönen Urlaub daheim das Chaos auf sie warte. Um sie von dieser ständigen Bürde zu befreien, übernachten wir jetzt auf Reisen nur noch in ausgesprochen abgefuckten Hotels.
Aleksandar Jožvaj
Technisch gesehen witzig
Über die Doppeldeutigkeit von imposant/im Po Sand hat als Kind vermutlich jeder mal gekichert. Was mir jetzt erst auffiel: Mit imponieren würde das Wortspiel an sich ebenso gut funktionieren. Es wäre dann aber um einiges abstoßender.
Karl Franz
Erinnerungskultur
Wer, wie ich, nachts oft wach liegt und stundenlang diese eine unangenehme Situation von vor 20 Jahren, die einem ganz plötzlich eingefallen ist, wieder und wieder durchlebt, dem rate ich, auf eine Memory-Foam-Matratze besser zu verzichten.
Loreen Bauer