Vom Fachmann für Kenner | November 2025
Bessere Beschäftigung
Sich Tag für Tag, Woche für Woche allein vor dem Rechner das Hirn nach satirischen Ideen und komischen Texten auszuquetschen, häufig mit unbefriedigenden Resultaten, führt auf Dauer dazu, dass man seine sozialen Kontakte, körperliche Hygiene und Fitness sowie sonstigen Belange vernachlässigt, stetig vereinsamt und verwahrlost. Exzessiver Pornokonsum soll, abgesehen vielleicht von etwas »besseren Ergebnissen«, ganz ähnliche Auswirkungen haben. Wollte es nur erwähnen, falls wir demnächst in kreativer Hinsicht nichts voneinander hören.
Thorsten Mausehund
Arbeitsplatzphysik
Eine in diesem Wissensgebiet firme Freundin erklärte mir die in der Quantenphysik beschriebene »Superposition von verschiedenen Zuständen«, also den Umstand, dass Teilchen gleichzeitig in mehreren Erscheinungsformen existieren und erst dann an einem bestimmten Ort sind, wenn man sie dort beobachtet, wie folgt: Das sei wie bei ihr im Büro. Wenn die Abteilungsleiterin sie beobachte, sitze sie am Schreibtisch und arbeite. Wenn die Abteilungsleiterin aber nicht hinschaue, befinde sie sich in einem unbestimmten Zustand des Anwesend- und irgendwie auch Nichtanwesendseins – und meist in der Kaffeeküche.
Jürgen Miedl
Ist es eine Fehlinterpretation …
… von akustisch Wahrgenommenem oder das Selbstgespräch eines Vernehmungsbeamten, wenn es heißt: »Ich habe mich verhört«?
Günter Flott
Tiefe Kluft
Im Gegensatz zu angesehenen Kunsthäusern wie der Pinakothek der Moderne oder dem Städel wendet sich das Deutsche Lochmuseum in Celle ausdrücklich an ein winziges Nischenpublikum, dessen Gemüter es zudem auch noch bewusst spaltet. Woran es der Provinzgalerie dabei ganz gewiss nicht mangelt, ist der Mut zur Lücke.
Andreas Maier
Es ist wohl nichts für mich
Bei mir um die Ecke wirbt eine Eisdiele mit »Träume nicht vom Eis. Lebe deinen Traum«. Dabei müsste es analog zum Originalspruch doch »Träume nicht vom Eis. Vereise deinen Traum« heißen. Wobei, würde sich die Eisdiele mehr Textlogik, dafür aber auch eine derart negative Attitüde zu eigen machen, würde ich da auch wieder kein Eis kaufen.
Karl Franz
Gedanken zu den Erneuerbaren
Ob sich mit den neongelben Fahrradmännern, die immer häufiger mit neongelb leuchtendem Helm, leuchtender Weste und Hose durch die Gegend radeln und deren Reflektorstreifen man schon aus der Ferne aufblitzen sieht, Solarenergie gewinnen lässt?
Leo Riegel
Ganz, ganz stiller Feiertag
Da der kirchliche Feiertag Allerheiligen in meinem Bundesland ein gesetzlicher ist und noch dazu ein »stiller«, verbringe ich ihn in diesem Jahr erstmals ohne größere lärmende Ablenkung und mit dem erhabenen Gefühl, auf jegliche Urlaubstagsopferungen verzichten zu können, aber nach einer ruhigen Radtour innerlich so was von einkehrend an einem mehr als angemessenen Ort: Die Bushaltestelle in Einödhausen, gelegen in einem keilförmigen Tal, unweit eines Einzelgehöftes, eingemeindet vom Örtchen Henneberg, zugehörig, aber immer noch eine ganze Ecke vom Ort Meiningen entfernt im fränkisch geprägten Süden Thüringens nahe der Grenze zu Bayern, scheint mir die allererste Wahl zu sein, um endlich einmal den Totenmonat angemessen einzuläuten. Ich hoffe nur, dass kein Bus kommt.
Norbert Behr
Filmfehler
Im Feriencamp für kinobegeisterte Kinder ist mir folgender Spruch dereinst leider nicht eingefallen: »Achtung, Boiler: Ich gehe jetzt duschen!«
Martin Weidauer
Blaa
Wer, um das Wlan im Flixtrain zu testen, ein gelangweiltes »Blaa« in den Handybrowser eintippt, der wird lernen, dass es sich beim Blaa um eine regionale Weißbrötchenspezialität aus Irland handelt, die traditionell im irischen Waterford hergestellt wird und in der Europäischen Union einen geschützten geographischen Status genießt.
Patrick Volknant
Warum nicht?
Es mal mit absurdem Humor auf der Kabarettbühne versuchen und während einer Nummer ganz viele beliebte Speisefische übereinander schichten. Dann wird ein Lachsturm einen Lachsturm auslösen.
Sebastian Dingler
Zum Verwechseln ähnlich
Ich weiß, Paare nähern sich mit dem Alter ohnehin optisch einander an, aber ich respektiere den Schritt meiner Oma sehr, sich aus Liebe und als Zeichen der Zuneigung einfach eine Glatze schneiden zu lassen. Zumal mein Opa lange Haare trägt.
Fia Meissner
Risiko
Mein großer Gymnastikball ist überall im Weg. Ich habe ihn jetzt vorsichtig auf meinen Kleiderschrank im Schlafzimmer gelegt. Der ist eigentlich zu schmal für ihn, der Ball steht etwas über. Nach ein paar vorsichtigen Versuchen blieb er aber endlich ruhig liegen. Aber kann man sicher sein, dass er nicht plötzlich zu rollen anfängt? Eine kleine Erschütterung würde reichen und er käme in Bewegung. Das Sportgerät würde genau auf mein Bett fallen, Höhe Kopfkissen, dabei vorher die Nachttischlampe umreißen. Ich bin sehr gespannt, ob es passiert, wenn ich nicht zu Hause bin, oder nachts, wenn ich im Bett liege.
Uwe Becker
Guter Rat
Nach einem Tag voller Anspannung und dicker Luft wurde mir klar, dass man an seinem Hochzeitstag unbedingt vermeiden sollte, mitzusingen oder zu summen, wenn Roland Kaiser im Radio schmettert: »Warum hast du nicht nein gesagt«.
Uwe Geishendorf
Liebe Penisspam-Versender!
Danke für das Angebot eines »Penisaktivators«, aber ich fürchte mich ein wenig, was für ein Quatsch hier losgeht, wenn das Ding auch noch eingeschaltet wird.
Nis Jasper Nicolaisen
Schocklektüre
Eben das neue Buch »Respekt ist zumutbar« von Carolin Emcke bekommen. Schnell einen Blick ins Inhaltsverzeichnis geworfen. Das erste Kapitel heißt »Hirschhausen«. Warum sollte diese überaus engagierte Literaturpreis- und Verdienstordenträgerin ihr Buch mit einem Text über einen populären Fernseharzt und Kabarettisten eröffnen? Noch mal nachgesehen: Die Überschrift heißt »Hinschauen«.
Richard Palermo