Vom Fachmann für Kenner | Oktober 2025
Danke für Ihre Aufmerksamkeit
Millionen-Dollar-Idee, weil sofortiger Ohrwurm: Ein Mallorca-Partyhit für die Zielgruppe ADHS. Gesangsmelodie wie bei »Feliz Navidad«, im Refrain aber gesungen »Methylphenidat«.
Felix Scharlau
Morbus Freude
Neulich habe ich einen furchtbar platten Witz erzählt. Vielleicht lag es am Energy Drink, den ich vorher konsumiert hatte, aber ich musste selbst am meisten drüber lachen, zittern und mir panisch an die Brust greifen.
Karl Franz
Erlebter amp; taggeträumter Dialog
»Hey, Sie gehen ohne zu gucken über die Straße!« – »Ja, und?« – »Hier sind Kinder! Dann machen die das nach!« – »Echt?« – »Ja, und dann sterben die! Wollen Sie, dass meine Kinder sterben?« (Ab hier beginnt der Tagtraum.) »Ich kenne Sie jetzt erst seit zehn Sekunden, aber nach meinem Ersteindruck müssen Ihre Gene nicht unbedingt weitergegeben werden.«
Cornelius W. M. Oettle
Sehenswert
Die aktuelle Gemälde-Ausstellung von Otto Dix in der Orangerie Gera, mit dem recht zeitgenössischen Titel »Dix Pix«.
Elias Hauck
Altern mit Faltern
Noch bin ich von der berühmt-berüchtigten senilen Bettflucht verschont geblieben. Ich habe einen Schlaf wie ein Säugling und falle meinen Mitmenschen nicht durch frühmorgendliches Rumoren und Rumpeln auf die Nerven, lange ehe die Sonne aufgeht. Doch eine andere Geißel des Greisentums hat mich weit vor der Zeit mit voller Breitseite erwischt. Ich leide nämlich inzwischen an Altersüberpünktlichkeit. Es kam schleichend über mich: Erst waren es fünf Minuten im Teams-Call, bevor es planmäßig losgehen sollte, dann zehn Minuten vor der Verabredung in der Kneipe, schließlich zwanzig Minuten vor Beginn der Kinowerbung – und neulich war ich so früh am Bahnhof, dass ich noch einen Zug vom Vortag erwischte, der »geringfügig« Verspätung hatte. Ich bitte, dies alles zu entschuldigen!
Theobald Fuchs
Aufgaben, überall nur Aufgaben
Ich tippte in mein To-do-Programm als Aufgabe für den morgigen Tag »Arbeitsstunden noch in Excel eingeben« und wusste zugleich, dass ich die Angelegenheit in der Zeit hätte erledigen können, in der ich vermerkte, dass ich sie noch tun musste. Vermutlich wollte ich es partout erst morgen machen.
Robert Rescue
Nicht vergessen
Im Sommer drückt die Hitze rein,
Im Winter kommt der Schimmel,
Im Frühling schweben Pollen ein,
Im Herbst hängt grau der Himmel.
Das alles klingt nicht grade gut
Und stimmt auch nicht so heiter.
Doch ein Gedanke macht mir Mut:
Im nächsten Jahr geht’s weiter.
Gunnar Homann
Jus for fun
Die Qualität eines Kochbuchs über Soßen bemisst sich daran, ob es sich um eine gebundene Ausgabe handelt.
Daniel Sibbe
Und stündlich grüßt das Murmeltier
Heute rief mich das Uhrenfachgeschäft Hieber an und teilte mir mit, dass meine Flik-Flak-Uhr fertig sei (es ist freilich die meines Sohnes), worauf ich mit überschäumender Freude reagierte und mich herzlich bedankte. Was daran so besonders ist? Dass das Uhrengeschäft Hieber eine Stunde zuvor schon einmal bei mir angerufen hatte, um mir exakt dasselbe mitzuteilen! Beim zweiten Mal dachte ich, das erwähne ich lieber nicht, sonst ist das nur wieder jemandem peinlich – so hingegen können sich zwei Menschen darüber freuen, dass sie ihre Aufgabe gewissenhaft erledigt haben. Seitdem warte ich darauf, dass das Telefon ein drittes Mal klingelt.
Fritz Krautzberger
Wählt weise
Allen künftigen Studierenden, die sich für eine Sprache als Studienfach interessieren, möchte ich aus eigener leidvoller Erfahrung folgende Entscheidungshilfe mit auf den Weg geben: Ihr könnt entweder auf Lehramt studieren oder auf gut Glück.
Loreen Bauer
Pyromanifest
Die Kunst des selbstironischen Scherzens ist mittlerweile auch in der Mitte der Gesellschaft, bei den ehrenamtlich Engagierten, angekommen. Wenn es um die Belange der Freiwilligen Brandschützer geht, lautet die Standard-Überschrift in der Lokalpresse daher: »Ich brenne für die Feuerwehr!« Noch nicht durchgesetzt haben sich allerdings »Mit Feuer und Flamme den Waldbrand bekämpfen« oder »Kokeln ist meine schwelende Leidenschaft!«. Warum? Zu ehrlich vielleicht?
Mark-Stefan Tietze
Sitzstreik jetzt!
Nachdem ich neulich im Sushi-Restaurant auf einem neumodischen Klo mit Selbstreiniger, Brillenwärmer und Duftsprüher Platz nehmen durfte, muss ich attestieren, dass man in Deutschland auf die falschen Schüsseltechnologien setzt.
Sebastian Maschuw
Materialermunterung
Um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen, habe ich damit angefangen, Autoteilen gut zuzureden. Denn für mich ist die Ölwanne immer halb voll. Meine Hoffnung: Das positive Denken und Sprechen hilft gegen materialbedingte Unfallursachen. So öffne ich also die Motorhaube und sage dem Keilriemen, dass er tolle Arbeit leiste, die mir wirklich Respekt abringe. Oder ich setze mich neben das Vorderrad und versichere dem Reifen glaubhaft, dass gerade er nun wirklich niemandem etwas beweisen müsse. Wichtig ist, sich insgesamt mindestens eine Stunde Zeit für die Ermunterung der einzelnen Bereiche des Fahrzeugs zu nehmen. Die aggressiven Reaktionen der an der Ampel vor meinem Haus stehenden Fahrer besagter Autos sind allerdings ermüdend.
Martin Weidauer
Kunst Werk
Man sollte zwischen Künstler und Werk unterscheiden. Nur weil ein Künstler oder eine Künstlerin privates Fehlverhalten an den Tag legt, darf man die Kunst trotzdem völlig unabhängig davon richtig scheiße finden.
David Sowka
Bewährtes
Ich habe sämtliche Projektionsflächen durchgetestet, von denen ich in den letzten Wochen in journalistischen Beiträgen gelesen habe (Juden, Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker – »bin Projektionsfläche für alles« –, der Regensburger Dom) und komme zu dem Schluss: An die Leinwand reicht nichts und niemand ran!
Ronnie Zumbühl
Geht runter wie Öl
Das vielleicht schönste Kompliment, das ich je von einer Frau bekommen habe, war: »Ich liebe, wie du stinkst.« Trotzdem würde ich eher davon abraten, vor Dates stundenlang am Lagerfeuer zu sitzen. Vermutlich wird der Satz nämlich nur selten ausgesprochen.
Nicolai Hagedorn