Vom Fachmann für Kenner | September 2025
Literally
Liebe Senioren, als ich euch sagte, dass ihr auch im hohen Alter noch mit offenen Augen durchs Leben gehen sollt, meinte ich tatsächlich »mit offenen Augen durchs Leben« und nicht »mit offenem Mund durch die Fußgängerzone«.
Elias Hauck
Für immer Töröömasiert
»Da kommt der Elefantenrüssel«, erklärte mir die Kinderzahnärztin vor Jahrzehnten den Speichelsauger. Seitdem muss ich bei jedem Zahnarztbesuch daran denken, wie mich ein Elefant mit seinem haarigen Teil aussaugt.
David Sowka
Kurz, aber oho
Wenn ich nachts die Augen öffne, in den glitzernden Kronleuchter blinzele, mich leicht benommen im luxuriös-gediegenen Ambiente umschaue, von draußen das leise Plätschern des Swimmingpools höre, an die teuren Sportwagen in der Tiefgarage denke und die wunderschöne Frau im Abendkleid auf mich zuschreiten sehe, genieße ich für einen Augenblick mondäne Erhabenheit und sorgenfreies Glück, bis mir die Dame achtlos die Zimmerschlüssel auf den Tresen knallt und ich abrupt feststelle, wieder nur in meinem Nachtdienst an der Hotelrezeption eingepennt zu sein.
Thorsten Mausehund
Helikoptermutter im Blindflug
Auf einer Regionalzugfahrt von Stuttgart nach Karlsruhe setzte sich eine aufgebrachte Frau neben mich, die die gesamte Reise damit verbrachte, am Telefon lautstark auf ihr Kind einzuteufeln, welches an jenem Tage wohl die Schule geschwänzt hatte. Besonders entrüstet zeigte sich die Mutter darüber, dass ihr Spross am Morgen bereits zum wiederholten Male sein Smartphone ausgeschaltet hatte, sodass abermals weder sie noch der Vater hätte überprüfen können, wo der Nachwuchs sich aufhielt – man hatte vor einigen Wochen eine Helikopterelternortungsapplikation installiert, womit das Kind aber nicht ganz einverstanden gewesen war. Insofern frage ich mich bis heute, wie wohl der Gesichtsausdruck am anderen Ende der Leitung aussah, als die Frau zum Abschluss des fünfzigminütigen Gesprächs endlich die pädagogische Strafe ankündigte: »Du bekommst jetzt zwei Wochen Handyverbot!«
Cornelius Oettle
Bittere Pille
Ich würde schon allein deshalb in der Matrix bleiben, weil man telefonieren muss, um rauszukommen.
Fabio Kühnemuth
Kein Bock auf Amtshilfe
Mein Neffe muss eine Ausbildung machen, hat aber nicht wirklich Lust dazu und auch keine Ahnung, was er machen will. Als Entscheidungshilfe habe ich ihm diese Weisheit mitgegeben: So unterschiedlich Ausbildungen auch sind, eines verbindet sie – Regale. Handwerker holen Dinge aus Regalen, um damit Regale zu bauen. Bürokaufleute heften Zettel in Ordner (Regale für Papier!) und stellen diese in Regale. Aber die meisten Regale hat immer noch der Einzelhandel. Meine Empfehlung deshalb: Wenn eh alles Regal ist, warum nicht zum Regalsten gehen? Entschieden hat sich mein Neffe noch nicht, aber ich hoffe, dass ihm mein Rat eine Lehre war und er nächstes Mal nicht mich mit solchen Fragen belästigt.
Karl Franz
Hochauflösend
Ich habe mich gefreut, den Südstaatenkrimi »Mississippi Burning« in einer schmucken neuen Edition geschenkt zu bekommen. Die Bildqualität war am Ende gar nicht so dolle wie erhofft. Aber vermutlich beziehen sich bei der Angabe »4K-Edition« drei K einfach auf den Ku-Klux-Klan.
Wieland Schwanebeck
Kühl kalkuliert
Neulich nahm ich den defekten Heizlüfter von der Arbeit mit, um ihn in der Roten Tonne im Stadthaus zu entsorgen. Da ich aber in Gedanken woanders als in dieser hässlichen Siebzigerjahre-Bausünde war, fuhr ich an dem Büroturm vorbei, hatte anschließend jedoch keine Lust mehr, die 200 Meter wieder zurückzuradeln, zumal der kommunale Betonklotz auch noch auf einem Parkhaussockel thront, den man erst einmal umständlich via Treppe erklimmen muss. Also ließ ich das Teil auf dem Gepäckträger vorm Haus stehen, wo es erwartungsgemäß schon nach kurzer Zeit geklaut wurde. Die Vorstellung, dass der Langfinger den tadellos anmutenden Schrott zuhause anschließen würde, dabei aber nichts als ein lautes Rattern vernähme, bereitete mir eine diebische Freude. Und das Allerbeste: Selbst wenn der Täter zurückgekommen wäre, um voller Wut auf mein Rad einzutreten, hätte ich keinen Schaden erlitten, denn ich nutzte ein Mietrad!
Burkhard Niehues
Titeldoppel
Lange dachte ich, in Molières bekanntestem Stück gehe es um einen Patienten, der ausgesprochen arrogant und eitel sei. An Hypochondrie habe ich nie gedacht beim Titel »Der eingebildete Kranke«.
Jürgen Miedl
Geld aus dem Fenster
Irgendwie gelingt es all den Artisten mit ihren Hochrädern, Keulen und Bällen an den Frankfurter Ampelkreuzungen doch immer wieder, mir das letzte Kleingeld aus der Tasche zu locken. Das müssen sie sein, diese gefürchteten Finanzjongleure.
Fabian Lichter
Aus meinem Tagebuch
Plötzliche Sehnsucht nach den alten Postleitzahlen.
Gunnar Homann
Klare Ansage
Daran, dass Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln dem Zwang unterliegen, Telefonate immer über Lautsprecher zu führen, habe ich mich inzwischen gewöhnt. So sehr, dass ich dann eigentlich auch wissen will, wer überhaupt anruft. Der Vollständigkeit halber. Mein Dank geht deswegen raus an die Frau in der S-Bahn, deren Handy den eingehenden Anruf nicht mit einem Klingelton, sondern mit Siri ankündigte, die den Namen des Anrufenden wie folgt ansagte: »Schatz Handy neue Nummer«. So ist an alle gedacht.
Loreen Bauer
Am Pfandautomaten
Ich legte eine offenbar nicht im Supermarktsortiment enthaltene Flasche auf das Band. »Gebinde nicht erkannt« zeigte daraufhin der Pfandautomat an. Ein Wort, das auch hübsch als Beschimpfung funktioniert, dachte ich. »Ey, was bist’n du für’n Gebinde?« oder kumpelhaft: »Manfred, altes Gebinde, lange nicht gesehen!« Ein kleiner Trost für die 8 Cent, die mir durch die Lappen gingen.
Leo Riegel
Petition
Ich bin dringend dafür, das Tubendesign von Venen-Gel zu ändern, war der erste Gedanke nach drei kräftigen Putzbewegungen mit der Bürste. Der Geschmack von Rosskastanie könnte Zahnpasta ziemlich aufpeppen, war der zweite.
Robert Rescue