Vom Fachmann für Kenner | Januar 2026
Alles richtig gemacht und trotzdem ausgeschieden
Der Fortschritt in der Medizintechnik fasziniert mich ungemein, es ist verblüffend, was da an Gadgets für die Patienten bereitgehalten wird. Zuletzt begeisterte mich der Einsatz einer zäpfchengroßen und -förmigen, silbrigen Hightech-Kamera, die, von der mutmaßlich kranken Person geschluckt, Bilder des Magen-Darm-Trakts an außen liegende Sensoren funkt. Ein Traum, der mich seit dem Science-Fiction-Film »Die phantastische Reise« aus dem Jahr 1966 in seinen Bann zieht. Warnen möchte ich jedoch vor den Gefahren im menschlichen Miteinander, die ein solcher Fortschritt in sich birgt: Nachdem ich die sicherlich unbezahlbare technologische Sensation, begleitet von Kotzreiz, aus den Hinterlassenschaften im Toilettenstuhl gewühlt und diese minutenlang mit desinfizierender Handseife gereinigt hatte, wollte ich sie dem Personal zur Wiederverwendung übergeben und begab mich damit unmittelbar in eine Position der künftigen Stationsverrückten. Entsetzter O-Ton: »Das wäre ja total ekelhaft.«
Martina Werner
Der Nr.-1-Weihnachtshit der Sado-Maso-Szene
Heidschi Bum-peitschi
Christian Büsen
Ungefähr so war’s
Eher zufällig landete ich mit Freunden in einem Ferienhaus in dem niedersächsischen Ort Osten. Weil die einzige lokale Attraktion eine historische und denkmalgeschützte Schwebefähre war, beschlossen wir, uns wenigstens einmal von dem Stahlungetüm über den Fluss transportieren zu lassen. Das Gejuckel durch die nicht gerade aufregende Kulisse zog sich sehr, und so kamen wir mit dem Fährmann, einem älteren Herrn mit Schiebermütze und starkem norddeutschen Zungenschlag, ins Gespräch. Seit über zwanzig Jahren betreibe er die Schwebefähre nun ehrenamtlich, erklärte er stolz. Ich fragte ihn, ob es in der Zeit zu ungewöhnlichen Ereignissen gekommen sei. »O ja!« antwortete er. Einmal sei ein Auto beim Beladen der Fähre gegen ein anderes gestoßen, welches daraufhin in den Fluss gestürzt sei. Nicht schlecht, sagte ich, und fragte nach einer Pause und weil wir noch immer ein gutes Stück vor uns hatten, ob außerdem noch was passiert sei. »Aber ja!« sagte er. »Einmal sah ich aus der Ferne am anderen Ufer einen Baum, an dem ein Apfel hing, und dachte: Meeensch, das ist aber ein großer, saftiger Apfel, du! Hab ich ja noch nie gesehen, so groß.« Ich sah den Mann gespannt an, in freudiger Erwartung der zweitaufregendsten Begebenheit aus über zwanzig Jahren Schwebefährengeschichte. »Und als ich näher kam, sah ich: Das ist ja gar kein Apfel! Das ist ’ne Quitte.«
Leo Riegel
Bestell-Amnesie
Eigentlich ist es weder gut, dass ich so viel übers Internet bestelle, noch dass mein Gedächtnis immer mehr nachlässt. Zusammengenommen ergibt sich daraus aber ein ganz schöner Effekt: Jedes Mal, wenn ein Paket ankommt, frage ich mich mit leuchtenden Augen, was wohl drin sein mag. Es ist wie Weihnachten! Und noch schöner: Es ist auch immer etwas drin, das ich sehr gut gebrauchen kann.
Sebastian Dingler
Bettgeschichte
Da ich auch selbst immer wieder davon betroffen war, weiß ich: Schlafprobleme löst man nicht einfach so über Nacht.
Jürgen Miedl
Scheinriese
Lange her, da wurde ich per Brief in meine Bank gebeten, um dem Filialleiter persönlich zu erklären, wie ich als Bafög-Empfänger den Minusstand von ca. fünfzig Mark wohl auszugleichen gedächte. Als er mich in sein Büro bat, war ich – wie noch heute bei Geldangelegenheiten – extrem nervös, nahm Platz und fing sofort mit einer ausschweifenden Erläuterung meiner finanziellen Zukunftspläne an. Während meiner Ausführungen bemerkte ich, dass die gesamte Ausstattung des Schreibtisches, an den ich mich in meiner Aufregung gesetzt hatte, ordentlich zu meiner Seite hin ausgerichtet war. Die Schreibunterlage, die Schreibtischlampe, die Kugelschreiber, das Telefon, die Formulare, einfach alles. Der Filialleiter, der wortlos angesichts meines Redeschwalls mir gegenüber Platz genommen hatte, wirkte jetzt klein – wie ein Scheinriese, der schrumpfte, je näher ich ihm argumentativ kam. Das war allerdings wohl nicht der brillanten Stichhaltigkeit meiner Darlegungen geschuldet: Er saß auf dem niedrigen Besucherstuhl. War dann doch noch ein schöner Nachmittag.
Tom Breitenfeldt
Erden
Häufig wird über seltene, selten über häufige berichtet.
Robert Niemann
Dringend!
Regelmäßig vergesse ich, dass ich Kartoffeln auf dem Herd habe, und lasse sie total matschig werden. Daher mein Wunsch an Deutschlands Agronomen: Bitte züchten Sie endlich die allmählich kochende Kartoffel.
Karl Franz
Neues vom Neandertaler
Anthropologen haben herausgefunden, dass Urzeitmenschen dem Feuer anfangs stark misstrauten und es nicht in der Felsbehausung entzündeten, in der sie schliefen, wo es dann unkontrolliert brennen und sie möglicherweise bedrohen konnte. Um sich zu wärmen und ihr Essen zuzubereiten, platzierten sie die Feuerstelle daher häufig in einer benachbarten Felsgrotte. Dies ist quasi der erste Beleg für eine Nebenhöhlenentzündung.
Thorsten Mausehund
Cyber Security
Man sollte den Namen seines Haustieres möglichst nicht als Passwort verwenden. Es sei denn natürlich, das Tier heißt /76_*P)-fet!#@23TeLt-Fu_.
Dominik Mauer
Aufzeichnungen eines Schnäppchenjägers
Nach meinem Umzug im letzten Jahr kaufte ich viele Möbelstücke über Kleinanzeigenportale, um Geld zu sparen. Auch einen Lampenschirm musste ich mir anschaffen, und ich war sehr froh, als ich in einer Anzeige den Papierschirm einer Ikea-Lampe für nur zehn Euro fand. Ich fuhr mit dem Bus zum Wohnhaus des Verkäufers. Es war eine durchaus lange Strecke mit einem Umstieg, aber das war es mir wert. Die Übergabe verlief ohne Probleme. Zwar merkte ich, dass einige Fliegen am Lampenschirm klebten und er schon etwas vergilbt war, aber das kannte ich von gebrauchten Produkten und es störte mich nicht weiter. Ich fuhr zufrieden nach Hause – und bin es seither. Und immerhin verbinde ich nun eine gute Geschichte mit dem Lampenschirm, der laut Ikea neu 2,99 kostet.
Paul Amsel
Die Sorgen der Anderen
Lauf ich am Friseur vorbei, dann guckt da einer raus und denkt: »Der könnte aber auch mal eine Frisur gebrauchen!« Lauf ich am Schuhgeschäft vorbei, dann guckt da einer raus und denkt: »Der braucht aber auch mal neue Schuhe!« Recht hat aber eigentlich nur der, der bei der Bank rausguckt.
Sebástian San Diego